Sport : Wettskandal: St.-Pauli-Profi nahm Geld

Hamburg - Im Fußball-Wettskandal hat sich ein weiterer Profi offenbart. Der frühere St.-Pauli-Stürmer René Schnitzler gab im Magazin „Stern“ zu, 100 000 Euro von einem Wettpaten namens Paul kassiert zu haben. Er bestritt aber eine Manipulation von Spielen im Jahr 2008, berichtet das Magazin. Schnitzler gab zu, spielsüchtig zu sein. „Seit ich 18 Jahre alt bin, gab es kaum einen Tag, an dem ich nicht gespielt habe“, wird der Angreifer zitiert.

Laut „Stern“ handelt es sich bei dem Wettpaten um einen Niederländer und dabei mutmaßlich um eine zentrale Figur im Bundesliga-Wettskandal, über den gerade in Bochum verhandelt wird. Die dem Magazin vorliegenden Akten der Staatsanwaltschaft sollen zeigen, dass „Paul“ engen Kontakt mit vielen der im Prozess Beschuldigten hatte. Er war „Boss und Lenker“, so das Magazin.

Der FC St. Pauli zeigte sich „geschockt, auch wenn hier anscheinend keine Manipulation vorliegt“, wie Pressesprecher Christian Bönig sagte. „Wenn sich ein Spieler mit der Wettmafia einlässt, wird der Sport mit Füßen getreten“, auch wenn es in diesem Fall den Anschein habe, dass Schnitzler einen Betrüger betrogen habe. „Zum damaligen Zeitpunkt haben wir keine Auffälligkeiten in den Spielen bemerkt“, ergänzte Bönig. „Leider können Vereine nicht bis ins Detail die Freizeitgestaltung ihrer Spieler kontrollieren oder steuern.“ Schnitzler hatte es zwischen 2007 und 2009 auf 33 Einsätze (7 Tore) für St. Pauli gebracht. Bei den fraglichen Partien, die er hätte manipulieren sollen, soll es sich nach „Stern“-Angaben um Auswärtsspiele bei Mainz 05 (Saison 2007/08), bei Hansa Rostock, dem FC Augsburg, dem MSV Duisburg und erneut Mainz 05 (alle 2008/09) handeln.

Die Deutsche Fußball-Liga (DFL) reagierte umgehend auf die Aussagen des derzeit vereinslosen Profis. „Nach gegenwärtigem Stand sind uns keine Auffälligkeiten bekannt. Weder haben wir seitens Sportradar Hinweise zu auffälligen Wettbewegungen erhalten, noch hat der Spieler, der bei drei der fünf angegebenen Partien auch gar nicht zum Einsatz gekommen ist, Spielmanipulationen zugegeben“, hieß es in einer Erklärung der DFL. Man habe beim Wettkontrolleur Sportradar eine weitere Prüfung der Spiele in Auftrag gegeben. Der Deutsche Fußball-Bund teilte mit, dass ihm die Verdachtsmomente „seit einiger Zeit bekannt“ seien. Der Kontrollausschuss befasse sich mit der Prüfung. dpa

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