Sport : Wettskandal: Verdächtige bleiben in Haft

Christian Tretbar

Frankfurt am Main – Ruhig ist es geworden im jüngsten Wettskandal des deutschen Fußballs nach dem Fall Robert Hoyzer. Seit gut fünf Monaten sitzen vier Verdächtige in Darmstadt in Untersuchungshaft. Und wie es derzeit aussieht, können noch ein paar Monate dazukommen. „Wir haben unsere Ermittlungen noch nicht abgeschlossen“, sagt Doris Müller-Scheu von der Staatsanwaltschaft Frankfurt am Main.

Die vier Verdächtigen sollen in der Saison 2005/2006 Fußballspielern aus der Regionalliga und eventuell auch aus der Zweiten Bundesliga Geld für die Manipulation von Spielen angeboten haben, auf die sie gewettet hatten. Mindestens ein Spieler soll das Geld auch angenommen haben. „Dieser dringende Tatverdacht besteht weiterhin“, erklärt Müller-Scheu. Andere Spieler haben die Anwerbungsversuche bestätigt, zugleich allerdings betont, kein Geld angenommen zu haben. Betroffen seien Spieler der damaligen Regionalligavereine 1. FC Eschborn, Stuttgarter Kickers, Eintracht Trier, SpVgg Bayreuth sowie des damaligen Zweitligisten Sportfreunde Siegen.

Die Staatsanwaltschaft wertet nun eine Fülle von Material aus. Die Ermittlungen dauern entsprechend lange. „Wir haben Computer beschlagnahmt, Telefongespräche aufgezeichnet und Dokumente sichergestellt – das muss alles gründlich analysiert werden“, sagt die Frankfurter Staatsanwältin. Bei der Auswertung hätten sich zwar keine neuen Verdachtsmomente ergeben, „aber immer mehr Verbindungen und Wege, die wir weiterverfolgen müssen“, erläutert Müller-Scheu. Erschwerend komme hinzu, dass der Zugriff Anfang Februar für die Ermittler etwas zu früh gekommen sei. „Wir hätten gerne noch etwas gewartet, um ungestörter zu ermitteln, aber es bestand der Verdacht, dass weitere Spiele hätten manipuliert werden können, und das mussten wir verhindern“, berichtet Müller-Scheu. Die Verdächtigen haben sich bisher nicht offiziell zu den Vorwürfen geäußert.

Maximal sechs Monate können sie in Untersuchungshaft festgehalten werden. Danach gilt ein so genannter Beschleunigungsgrundsatz. Das Oberlandesgericht (OLG) muss dann prüfen, ob das Verfahren schnell genug vorangetrieben wurde. In einigen Wochen wird das der Fall sein. Müller-Scheu sagt: „Ich gehe aber davon aus, dass das OLG unsere Ermittlungen dann absegnet und das Verfahren weitergehen wird.“

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