Wettskandal : Welche Verbindung gibt es nach Asien?

Der Wettskandal im europäischen Fußball ist nicht der erste. Der Fall Robert Hoyzer im Jahr 2005 machte den Anfang. Aber auch danach gab es in Deutschland Manipulationen. Welche Verbindungen gibt es?

Frank Jansen,Christian Tretbar

Der größte deutsche Wettbetrugsfall ist mit dem Namen Robert Hoyzer verbunden. Der Schiedsrichter hatte 2005 für hohe Geldbeträge Spiele verschoben. Jetzt könnte ihm der neue Fall den Rang ablaufen – mit europaweit 200 möglicherweise manipulierten Spielen. Doch dazwischen gab es noch einen Wettskandal, der im Nachhinein möglicherweise noch eine neue Bedeutung gewinnen könnte.

In deutschen Sicherheitsbehörden ist der Verdacht zu hören, bei dem neuen Wettskandal könnte ein alter Bekannter aus Südostasien mit von der Partie sein: der Malaysier William L. „Es gab auffällig hohe Wetten“, sagt ein Experte und spricht von der „Arbeitshypothese“, L. habe „seine Finger drin“. Dass der Mann ins Visier geraten ist, erscheint schon angesichts der kriminellen Karriere von L. naheliegend. Im Juni 2007 hatte das Landgericht Frankfurt am Main den Asiaten wegen „Verabredung zum gewerbs- und bandenmäßigen Betrug und Versuch des gewerbs- und bandenmäßigen Betrugs“ zu zwei Jahren und fünf Monaten Haft verurteilt. Es ging um Wettmanipulationen bei sechs Regionalliga-Spielen und zwei Begegnungen in der ersten Liga in Österreich. In Deutschland waren die Vereine Spielvereinigung Bayreuth, Rot-Weiß Erfurt, Sportclub Paderborn und Eintracht Trier betroffen. Als das Urteil gegen ihn gesprochen wurde, saß er bereits über ein Jahr in Untersuchungshaft. Erst wollte er nichts sagen, dann soll er krank geworden sein und habe deshalb doch ein Geständnis abgelegt. Das wurde ihm angerechnet und so kam er frei, gegen 40 000 Euro Kaution – und verschwand. Er verstieß damit gegen die Meldeauflagen, folglich wird L. seit Januar 2008 per Haftbefehl gesucht. Doch die deutschen Behörden wissen nicht einmal, ob sein Name stimmt und ob er Malaysier ist oder vielleicht Chinese. Bei den damaligen Ermittlungen wurden drei Pässe mit verschiedenen Staatsbürgerschaften gefunden, auch die Altersangaben stimmten nicht überein. Er soll in Baden-Baden gewohnt haben, aber auch in Bad Dürkheim und Mainz soll er Wohnungen gehabt haben. Außerdem soll er in Mainz eine Pizzeria betrieben haben.

Offen bleibt außerdem, ob L. Ende 2005 sogar ein Spiel der Bundesliga beeinflusst haben könnte. Hannover 96 gewann am 26. November des Jahres mit 5:1 gegen den 1. FC Kaiserslautern. Der hohe Sieg der Hannoveraner soll dem Asiaten eine beachtliche Summe eingebracht haben, von 2,2 Millionen Euro ist die Rede. Der Fall wurde allerdings erst im August 2008 bekannt. Da war L. längst weg – und der FCK abgestiegen, weil ihm am Ende der Saison ein Punkt fehlte, um die Klasse zu halten.

Dass der Mann mit Geldwäsche oder organisierter Kriminalität im größeren Stil zu tun haben könnte, wird hingegen in Sicherheitskreisen bezweifelt. „Da gibt es keine big shots“, sagt ein Experte. Es bleibt allerdings unklar, woher L. seinen aufwändigen Lebensstil in Deutschland finanzierte und aus welchen Quellen das Geld stammte, das er bei den Wetten auf manipulierte Fußballspiele einsetzte. Auch bei der aktuellen Affäre zeichne sich bislang nicht ab, dass „große Kartelle“ beteiligt sind, beispielsweise aus dem Drogenhandel oder dem Milieu von Menschenschleusern. Es gebe auch keine Hinweise, dass Fußballwetten bei dem Krieg zwischen den Rockerbanden der Hell’s Angels und der Bandidos eine Rolle spielen.

Für den Deutschen Fußball-Bund ist der Verweis auf den damaligen Fall besonders wichtig, sehen die DFB-Verantwortlichen darin doch einen Beleg, dass ihr Wett-Frühwarnsystem funktioniere. „Der Strafprozess vor zwei Jahren war von uns initiiert und in Auftrag gegeben worden“, sagte DFB-Präsident Theo Zwanziger am Montag auf einer Pressekonferenz. Allerdings stimmt das nicht ganz. Dass die Affäre bekannt wurde, war vielmehr einem Spieler des damaligen Regionalligisten 1. FC Eschborn zu verdanken. Der Senegalese berichtete Ende 2005 seinem Verein davon, dass ihm ein Unbekannter Geld für eine schlechte Leistung in einem Ligaspiel geboten habe. Der Verein informierte daraufhin den DFB, der dann Strafanzeige bei der Frankfurter Staatsanwaltschaft erstattete, und die Ermittlungen wurden aufgenommen.

Das hessische Landeskriminalamt überwachte L. zwei Wochen lang und hörte diverse Telefonate mit. Auf diese Weise kamen die Ermittler auf die Spur mehrerer möglicherweise bestochener Fußballer, verschobener Spiele und diverser Mittelsmänner. Darunter sind auch Namen von Spielern, die heute noch bei Erst- und Zweitligaklubs aktiv sind.

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