Sport : „Wichtig ist, dass Grenzen offen sind“

Mladen Krstajic über Heimat und Rivalität

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Herr Krstajic, was bedeutet das Wort „Heimat“ für Sie?

Deutschland ist sicher inzwischen meine zweite Heimat. Ansonsten: Mein Vater ist Montenegriner, meine Mutter Serbin, aufgewachsen bin ich in Bosnien. Mit 18 bin ich nach Serbien gegangen – wegen des Krieges.

Und nun haben sich auch noch Serbien und Montenegro getrennt. Bei der WM spielen Sie zum letzten Mal als eine Mannschaft.

Ich fände es natürlich besser, zusammenzubleiben. Am wichtigsten ist aber, dass die Grenzen offen sind.

Welche Rolle spielt der Nationalismus bei Fußballern aus den Ländern des früheren Jugoslawien?

Diese Sachen haben keine Bedeutung mehr. Ich komme mit den bosnischen Spielern in der Bundesliga sehr gut aus. Zlatan Bajramovic zum Beispiel bei uns in Schalke. Oder Sergej Barbarez vom HSV, er ist ein Freund.

Warum zeigen manche Spieler der serbisch-montenegrinischen Elf immer noch den nationalistischen Gruß mit gespreiztem Daumen, Zeige- und Mittelfinger?

Für mich hat das nichts mit Nationalismus zu tun. Das ist doch völlig harmlos. Ein Symbol der orthodoxen Kirche.

Wäre es etwas Besonderes, bei der WM gegen Kroatien zu spielen?

Das wäre doch großartig. Ein solches WM-Spiel würde sogar das große Duell zwischen Deutschland und Holland übertreffen.

Und das Politische?

Serbien ist die ältere Schwester der Kroaten. Wir sind eine starke Republik und auch um einiges größer. Kroatien ist ein junges Land. Die Kroaten müssen noch etwas üben, so möchte ich es mal ausdrücken.

Immerhin sind die Kroaten schon weiter auf dem Weg in die EU.

Da wollen wir auch hin. Und das schaffen wir auch.

Die Fragen stellte Markus Hesselmann.

Mladen Krstajic, 32, spielt für Serbien-Montenegro bei der WM. Vor sechs Jahren wechselte er von Partizan Belgrad zu Werder Bremen. 2004 ging Krstajic zum FC Schalke 04.

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