Sport : Wider die Biederei

Mimoun Azaouagh belebt das graue Bochumer Spiel

Richard Leipold[Bochum]
Auf dem Sprung. Mimoun Azaouagh hat sich in Bochum hochgekämpft. Dabrwoski und Johansson feiern gerne mit. Foto: dpa
Auf dem Sprung. Mimoun Azaouagh hat sich in Bochum hochgekämpft. Dabrwoski und Johansson feiern gerne mit. Foto: dpaFoto: dpa

Mit Mimoun Azaouagh hatte niemand mehr gerechnet, so wenig wie mit dem VfL Bochum im Kampf um den Aufstieg. Im Sommer war der Revierklub nur deshalb Azaouaghs Arbeitgeber geblieben, weil er keinen Abnehmer für ihn fand. Nach dem Sturz in die Zweite Liga hatte den Mittelfeldspieler keine Lust verspürt, weiter für Bochum zu spielen. Er wollte den VfL verlassen – und war am Ende selbst verlassen. Trainer Friedhelm Funkel schickte den unwilligen Profi zur zweiten Mannschaft. Azaouagh war in der vierten Liga angekommen.

Während der technisch starke Profi bei den Amateuren kickte und sogar an Rücktritt dachte, manövrierten sich seine vormaligen Kollegen zwei Spielklassen höher mit schlechten Leistungen in eine Lage, die mit Blick auf das Saisonziel Wiederaufstieg dem Stadium der Aussichtslosigkeit nahe kam. Eine Heimniederlage gegen den damaligen Ligaletzten FC Ingolstadt markierte den Tiefpunkt einer Mannschaft, die zu alt wirkte und zu stark vom Abstieg gezeichnet, als dass ihr noch jemand die Rückkehr in die Bundesliga zugetraut hätte. Das hat sich geändert. Der VfL startete eine Erfolgsserie, wie sie dieser Klub noch nie erlebt hat. Die Bochumer sind seit fünfzehn Spielen ungeschlagen; zwölf davon haben sie gewonnen. An diesem Montag treten sie als Tabellendritter gegen Spitzenreiter Hertha BSC an.

Azaouagh ist auch wieder dabei, als Stammkraft. Sein spielerisches Vermögen und seine Schusskraft haben den oft unattraktiven Bochumer Fußball Marke Funkel aufgewertet. Der gebürtige Marokkaner gehört wie Giovanni Federico und Chong Tese, der jedoch die nächsten vier Wochen verletzt ausfällt, zu jenen Profis des VfL, die mit Einzelleistungen einen Mangel an Qualität ausgleichen können. Jüngst erzielte Azaouagh im Spiel beim FSV Frankfurt das Siegtor. Der Tat ließ er Worte folgen, die von erstklassigen Ambitionen künden. „Wenn die beiden anderen schwächeln, müssen wir da sein“, sagte er.

Azaouagh spricht so, wie er sich bei seiner Rückkehr von seinen alten Kollegen aufgenommen fühlte – als wäre er „nie weg gewesen“. Funkel ging in der Winterpause auf ihn zu und teilte ihm mit, dass seine Dienste wieder gefragt seien, falls er keine übertriebenen Ansprüche stelle und bereit sei, sich einzugliedern. Der 28 Jahre alte Mittelfeldspieler räumt Fehler ein, ist „einfach nur froh, wieder im Profiteam zu sein“, und spielt demütig „da, wo der Trainer mich aufstellt“. Entscheidend sei nicht, dass die besten elf Einzelspieler auflaufen, sagt er, „eine Mannschaft muss aus den elf Fußballern bestehen, die am besten zueinander passen“.

Azaouagh passt wieder in Funkels Puzzle. Den Umweg über die zweite Mannschaft haben ihm viele als Rückschritt ausgelegt, doch Azaouagh sagt, er habe dort nur Anlauf genommen. Seine Träume erschöpfen sich nicht darin, in die Bundesliga zurückzukehren. Eines Tages will Azaouagh, vormals deutscher U-21-Nationalspieler, Länderspiele für sein Heimatland Marokko bestreiten. „Es ist schwer, in Worte zu fassen, was das für eine Ehre für mich wäre“, sagt er.

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