Widerstand gegen den DFB : Aufstand der Amateure

In Bayern firmiert sich ein Aktionsbündnis gegen die verfehlte Geldpolitik der DFB-Führung. Doch der Aufstand könnte am fehlenden Geld scheitern.

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Mühen der Ebene. Bei den Amateuren, wie denen des BV Altenessen (Kreisliga), kommt vom vielen TV-Geld nichts an. Foto: dpa/Vennenbemd
Mühen der Ebene. Bei den Amateuren, wie denen des BV Altenessen (Kreisliga), kommt vom vielen TV-Geld nichts an. Foto:...Foto: dpa

Engelbert Kupka hat jede Menge Solidarbekunden erhalten, wie er sagt. Von kleinen Fußball-Amateurvereinen, aus Bayern, NRW, Niedersachsen und Berlin. Allerdings eben auch Absagen. Zu gern wären sie seiner Einladung in den Gasthof Neuwirt ins oberbayerische Garching gefolgt. Aber das sei doch ziemlich aufwendig und teuer. Denn Geld hat die Fußball-Basis keines.

Am Donnerstag formiert sich im Norden Münchens der kleine Widerstand gegen den DFB. Der Deutsche Fußball-Bund und insbesondere seine Funktionärs-Elite „haben die Basis längst aus den Augen verloren“, so der Vorwurf von Kupka. Ihn stören die Verwerfungen bei der Verteilung der Milliarden-Erlöse aus dem neuen Fernsehvertrag, der ab der kommenden Spielzeit gilt und die Amateure vernachlässigt. Was vielen an der Fußballbasis aufstößt, ist der Grundlagenvertrag zwischen DFB und Deutsche Fußball Liga (DFL), der die Geldflüsse zwischen beiden Lagern regelt. Das eine Lager sind knapp 26 000 Amateurvereine, das andere das der 36 Erst- und Zweitligaklubs.

Eigentlich soll der Grundlagenvertrag „die Einheit des Fußballs und das beispielhafte Miteinander von Amateur- und Profibereich“ spiegeln, wie es in DFB-Broschüren heißt. Aber dieses Verhältnis sei völlig aus den Fugen geraten, halten die Amateure entgegen.

Mit dem Grundlagenvertrag wurde der DFL vor 16 Jahren das Recht übertragen, die Vermarktungsrechte der Profiklubs eigenverantwortlich zu verwerten. Vereinbart wurde eine Art Pachtzins in Höhe von drei Prozent, die die DFL aus dem Verkauf von Eintrittskarten der Erst- und Zweitligisten sowie den Medienerlösen zurück an den DFB abzuführen hat. Der erste Grundlagenvertrag wurde 2001 geschlossen, damals erbrachten die Medienerlöse in der Saison 2000/01 rund 355 Millionen D-Mark. Ab der kommenden Saison sind die Medienrechte des Profifußballs in Deutschland jährlich 1,5 Milliarden Euro schwer. „Früher waren die drei Prozent angemessen, die Profiklubs mussten ja leben und wettbewerbsfähig bleiben. Aber das ist nicht mehr zeitgemäß“, sagt Kupka. Während auf die 36 Profiklubs jährlich rund 1,4 Milliarden Euro entfallen, bekommt der gesamte Amateurfußball gerade mal 45 Millionen Euro. Kupkas Vorwurf lautet: „Der DFB hat damals seine Rechte abgetreten – aber er hatte keineswegs den Auftrag der Basis, diese Rechte an die DFL zu verschleudern“, sagt Kupka: „Wer würde Rechte für 45 Millionen verpachten, die 1,5 Milliarden bringen?“

Kupka ist Rechtsanwalt und war 39 Jahre lang Präsident des früheren Bundes- und heutigen Regionalligisten SpVgg Unterhaching, er saß für die CSU im Bayerischen Landtag und hat sich lautstark an die Spitze einer basisnahen Bewegung gesetzt, die nun um eine gerechtere Verteilung der Milliardenerlöse ringt. „Rettet die Amateurvereine“ heißt das Motto der Veranstaltung am Donnerstag. Kupka will ein Aktionsbündnis schmieden. „Man wird uns angreifen, aber auf Dauer wird man uns und unsere Sorgen nicht mehr ignorieren können“, sagt er.

„Wir werden das alles nicht klaglos hinnehmen“

Zu diesem Zwecke hat der 78-Jährige einen Katalog von zehn Fragen an DFB-Präsident Reinhard Grindel entworfen. „Wir werden das alles nicht klaglos hinnehmen“, was da oben verzapft werde. Mehrfach habe er Grindel die Problematik des Amateurfußballs vorgetragen. Dieser aber wollte im Vorfeld seiner Wahl auf dem DFB-Bundestag im November 2016 keinen Ärger mit der DFL riskieren, doch „genau dafür ist er doch da“, entgegnete Kupka. Seiner Meinung nach habe Grindel beim Bundestag aus „falsch verstandener Rücksichtnahme auf die DFL“ die Chance vertan, ein Präsident der Amateure zu werden. Dass bei gleicher Gelegenheit der Grundlagenvertrag von den DFB-Delegierten durchgewunken wurde, erklärt Kupka sich mit der „Uniformiertheit“ der Delegierten: „Ich glaube, dass von denen kaum einer den Grundlagenvertrag gelesen und verstanden hat. Und die anderen haben nicht den Mut, gegen die Linie des DFB und seiner Landesverbände aufzubegehren.“

Seit Jahren kritisiert Kupka „eine fehlende Streitkultur“ innerhalb des Verbandes und seiner Führungsstrukturen. Stattdessen werde man förmlich niedergelobt. „Von wegen: ’Amateure – unsere wahren Profis!’, wie es auf schönen DFB-Plakaten steht“, sagt Kupka, der das „fast schon als Verhöhnung“, empfindet.

Natürlich wird Kupka von Leuten aus den Verbänden auch als Netzbeschmutzer betitelt, der angeblich nur einen kleinen Teil der Amateure repräsentiere. „Ich weiß, dass sich viele Menschen an der Basis immer weniger ernst genommen fühlen und sich bereits in die innere Emigration begeben haben“, sagt er. Die Verbandsspitze würde zwar immer wieder Respekt, Harmonie und Hilfsbereitschaft predigen, das aber eben nicht vorleben. „Da wird zu viel gekungelt“, sagt Kupka.

Der DFB hält sich weitgehend bedeckt, verweist seinerseits auf die Leistungen, die über die dreiprozentige Beteiligung an den Medienerlösen hinaus gezahlt werden. Der DFB zahlt nun acht statt bisher fünf Millionen Euro an seine Landesverbände, 2,5 Millionen Euro von der DFL gehen zweckgebunden an Projekte im Rahmen des 2013 ins Leben gerufenen ’Masterplan Amateurfußball’. Jubelstürme hat der an der Fußballbasis noch nicht ausgelöst. Derweil wird in der DFB-Spitze der Grundlagenvertrag verteidigt. Im neuen Vertrag verzichte die Liga „auf eine stärkere Partizipation an den gestiegenen Einnahmen aus der Vermarktung der Nationalmannschaft, während der DFB im Gegenzug darauf verzichtet, mehr als bisher an den gestiegenen Medienerlösen der Liga zu partizipieren“, heißt es in einer Pressemitteilung.

Bei Engelbert Kupka ruft das Kopfschütteln hervor. Zu groß seien die Probleme an der Basis. Tatsächlich werden von Amateurvereinen immer mehr Mannschaften aus dem Spielbetrieb abgemeldet, immer öfter verzichten Mannschaften auf sportliche Aufstiege, weil es ihren Vereinen schlicht zu teuer käme. Vor allem aber falle es Vereinen zunehmend schwer, ehrenamtliche Mitarbeiter zu gewinnen. Denn die müssten laut Kupka heutzutage vor allem betteln können – betteln um Sponsorengelder. „Der Amateurfußball ist doch zum größten Bettelorden in Deutschland geworden.“

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