Sport : Widerstand zwecklos Falko Götz ist wild entschlossen, mit 1860 Erfolg zu haben

Daniel Pontzen

München. Falko Götz hatte einen Vasallen vorgeschickt, um das Feld zu bereiten. „Herr Götz wird nicht zu Vertragsangelegenheiten der Spieler Stellung nehmen“, kündigte Werner Johannes Müller zu Beginn der gestrigen Pressekonferenz an. Erst nachdem der Sprecher des TSV 1860 München diese Bedingung verkündet hatte, betrat der neue Trainer den kleinen Raum am Vereinsgelände. Ein bisschen überraschte seine Begründung zur selbst verordneten Schweigepflicht. „Weil ich nicht mehr weiß, was ich zu diesem Thema sagen soll“, sagte Götz.

Bisher wusste Götz bei jedem Thema stets ziemlich exakt, was er sagen soll, seit er vor vier Wochen seine erste dauerhafte Festanstellung als Bundesliga-Trainer erhalten hat, und darin unterscheidet er sich sehr von seinen Vorgängern. Er formuliert komplette Sätze und tritt bestimmt bis belehrend auf. Beinahe jedes seiner Worte, jede Geste lässt erkennen: Schaut her, ich bin ein Profi, zielorientiert, hundertprozentig.

Keine Frage, so einen hat Sechzig gebraucht. Lange Zeit beschäftigte der Klub auf dieser Position Leute, deren Führungsstil ziemlich unmodern geworden war. Dem Choleriker (Werner Lorant) folgte die Schlafmütze (Peter Pacult). „Wir konnten so nicht weiter rumeiern“, hatte Präsident Karl- Heinz Wildmoser erklärt, als er Pacult entließ. Dem Herrn Götz traute Wildmoser die Rolle als motivierender Brandstifter auf Anhieb zu: In der Halbzeit des 0:6 bei Hertha BSC lief Götz dem Präsidenten über den Weg. Nicht jeder glaubt, dass es Zufall war. Prompt hielt der Jungtrainer dem Präsidenten eine Kurzanalyse, nach der, wie Wildmoser sagt, , „ich mit dem Gedanken schwanger gegangen bin, ihn zu verpflichten“.

Immerhin kann sich Wildmoser sicher sein, dass er in Götz einen der dienstbereitesten Trainer gefunden hat, die der Markt hergibt. Weil Götz gleich zwei große Aufgaben erfüllen will. Erstens: 1860 formen, aus dem Niemandsland lotsen, aus seiner Identitätskrise befreien. Und allererstens: sich zum ernst zu nehmenden Bundesliga-Trainer entwickeln, das Image des strahlenden Kurzzeittrainers veredeln, das er vor einem Jahr bei Hertha erworben hat. „Ich möchte nach oben“, hat er kürzlich gesagt, „und die Mannschaft ziehe ich mit.“ Widerstand zwecklos.

Vermutlich hat Falko Götz inzwischen eine ziemlich genaue Vorstellung davon, wie schwer es ist, da oben hin zu kommen, mit dieser Mannschaft. Die Altstars Thomas Häßler und Martin Max werden ab nächster Saison keinen Platz mehr finden, weil ihre üppigen Gehälter zuletzt in keinem günstigen Verhältnis zu ihrer Effektivität standen. Natürlich klingt das anders, wenn Götz dieselbe Information in sanfte Diplomatie hüllt. Beide spielten zurzeit noch eine Rolle in seinen Planungen, versichert er.

Noch will er sich ohnehin lieber mit der laufenden Saison beschäftigen. „Wenn ich mir die anstehenden Spiele anschaue, sehe ich es als realistisches Ziel an, uns noch nach oben zu verbessern“, sagt Götz. Nach einer kurzen Pause fügt er an: „Ob das ein Platz höher sein wird oder mehrere, wird man sehen. Ich brauche Ziele, sonst macht mir das Arbeiten keinen Spaß.“ Der Pressesprecher sitzt daneben und nickt zufrieden. Besser hätte er es auch nicht sagen können.

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