Sport : Wie anderswo manipuliert wird Schiebung in Finnland, Brasilien, Tschechien

Steffen Hudemann

Berlin - Die Illusion ist dahin. Bis zum Januar dieses Jahres durften Deutschlands Fußballfans noch daran glauben, dass Wettmanipulationen zwar vorkommen, nicht aber im deutschen Fußball. Auch wenn die Vorgänge, über die von heute an in Berlin verhandelt wird, offenbar auf Deutschland beschränkt sind: Skandale gibt es auch anderswo, wie aktuelle Beispiele zeigen.

* * *

Namenssponsoring ist im Fußball heute üblich. Als die Verantwortlichen der finnischen Fußballliga beschlossen, die Meisterschaft in „Veikkausliga“ umzubenennen, wussten sie jedoch nicht, welchen Beigeschmack diese Namensänderung bekommen würde. Veikkaus bietet Lotto und Sportwetten an – und registrierte am 7. Juli dieses Jahres ungewöhnlich hohe Wettumsätze auf einen ungewöhnlichen Spielausgang. Im Spitzenspiel hatte der FC Allianssi 0:8 gegen Haka Valkeakoski verloren. Auffällig war dabei nicht nur, dass Allianssis Trainer Thierry Pister nahezu alle Stammspieler auf der Reservebank ließ, sondern auch, dass der Klub kurz zuvor von einem chinesischen Geschäftsmann übernommen worden war, der in seiner Heimat ein Wettbüro besitzt . Zwei Vorstandsmitglieder traten zurück, die Europäische Fußballunion Uefa ermittelt.

* * *

Edilson Pereira de Carvalho schien ein redlicher und gläubiger Mann zu sein. Der Schiedsrichter war dafür bekannt, dass er vor jeder Begegnung in der Spielfeldmitte seine Arme ausstreckte und betete. Jetzt hat Carvalho den größten Skandal in der Geschichte des brasilianischen Fußballs ausgelöst. Vor zwei Wochen gab er zu, Spiele der Landesmeisterschaft und eine Begegnung des südamerikanischen Meisterpokals „Copa Libertadores“ gegen Bezahlung manipuliert zu haben. Elf Spiele sind inzwischen annulliert worden und werden wiederholt.

* * *

Der 1. FC Slovacko St are Mesto schaffte in der vergangenen Saison gerade noch den Klassenerhalt in der tschechischen Ersten Liga. Was beachtlich war, schließlich wurden dem Klub zwölf Punkte abgezogen. Nur wenig besser erging es den Konkurrenten FC Opava und Slovan Liberec, sie mussten je sechs Punkte abgeben. Alles eine Folge der umfangreichen Spielmanipulationen, die im Jahr zuvor ans Licht gekommen waren. 20 Schiedsrichter wurden suspendiert. Referees aus der Zweiten Liga mussten einspringen.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben