Sport : Wie beim ersten Mal

Beim 3:2 gegen Kaiserslautern erzielt Kevin Kuranyi alle Tore für Stuttgart

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Aus allen Richtungen kam die Männer in den weißen Trikots angelaufen. Sie umarmten und streichelten ihn, manche sprangen dem Stürmer gleich übermütig auf den Rücken. Kevin Kuranyi genoss die Aufmerksamkeit seiner Kollegen. Er grinste breit und freute sich. Zum ersten Mal in dieser Saison durfte der 22 Jahre alte Stürmer des VfB Stuttgart von Anfang an auflaufen. Und gleich entschied er mit drei Toren das Duell der Schwaben beim 1. FC Kaiserslautern. „Ich habe die ganze Zeit daran gedacht, dass ich hier mal mein erstes Bundesligator erzielt habe“, sagte Kuranyi nach dem 3:2Erfolg der Stuttgarter auf dem Betzenberg.

Zwei Spieltage lang hatte Stuttgarts neuer Trainer Matthias Sammer den EM-Teilnehmer wegen seines Trainingsrückstandes auf der Bank geschont und stattdessen den Brasilianer Cacau spielen lassen. Der erzielte vier Tore, war aber in Kaiserslautern wegen eines Platzverweises gesperrt. „Ich weiß, dass der Trainer innerlich sehr an mich glaubt, ich habe heute das Vertrauen zurückbezahlt“, sagte Kuranyi, der schon beim 3:1-Sieg im Länderspiel gegen Österreich alle drei Tore erzielt hatte. „So werde ich jetzt versuchen weiterzumachen“, sagte der Nationalstürmer.

Bevor der Sieg der Stuttgarter allerdings feststand, mussten sie sich kräftig anstrengen. Der 1. FC Kaiserslautern, der zum ersten Mal in seiner Vereinsgeschichte mit drei Niederlagen in eine Bundesligasaison gestartet und nun Tabellenletzter ist, hatte zwei schwere Abwehrfehler von Fernando Meira genutzt. Nach Kuranyis 1:0 (31. Minute) gingen die Kaiserslauterer plötzlich innerhalb von drei Minuten mit 2:1 in Führung. Meira kam im Zweikampf mit Carsten Jancker zu spät, der frühere Stuttgarter Jochen Seitz schnappte sich den Ball und glich aus.

Das erste Tor von Jancker, der gestern 30 Jahre alt wurde, war durchaus kurios. Von weit rechts außen im Strafraum zog er neben dem zögernden Meira einfach ab. Der Ball sauste an Stuttgarts Torhüter Timo Hildebrand vorbei an den Innenpfosten und sprang ins Tor. „Dann haben wir die Köpfe hängen lasen und so getan, als sei das Spiel schon entschieden“, sagte Sammer. „Wir haben den Gegner klar beherrscht und haben erst spät noch Moral gezeigt. Wenn Lautern aber das 3:1 gemacht hätte, wären wir vom Kopf her nicht mehr in der Lage gewesen zurückzukommen.“

Jancker aber rutschte nach einem Pass von Mihael Mikic am Ball vorbei. „Wir sind selbst schuld, dass wir verloren haben“, sagte Jancker. „Wir hatten zwei dicke Chancen zum 3:1, die haben wir verpasst und ein paar Fehler gemacht. Trotz meines Tores kann ich nicht zufrieden sein.“ Kuranyi staubte nach einem Lattentreffer von Zvonimir Soldo zum 2:2 ab und schaffte in der 81. Minute sogar noch den 3:2-Siegtreffer.

Die dritte Niederlage im dritten Saisonspiel bringt Kaiserslauterns Trainer Kurt Jara weiter in Bedrängnis. „Jara raus!“, riefen viele der 38 000 Zuschauer. „Wir haben alle zusammen verloren, und ich übernehme die Verantwortung dafür. Jetzt können ja wieder alle schreiben, der Trainer muss weg“, sagte der Österreicher Jara und verschwand. Jochen Seitz sagte vor der Länderspielpause: „Jetzt stecken wir zwei Wochen im Loch ohne Punkte, das ist bitter. Aber jetzt eine Trainerdiskussion zu beginnen, halte ich für verfrüht.“

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