Sport : Wie die Angsthasen

Dürftiges Niveau beim 0:0 zwischen Union und Reutlingen

Karsten Doneck

Berlin. Heiner Bertram hatte ein feines Gespür. Er fährt derzeit lieber Ski in Österreich. Ansonsten wäre er sicher gestern Abend in der Alten Försterei vorgefahren, um dem Zweitliga-Fußballspiel des von ihm als Präsident geführten 1. FC Union beizuwohnen. Was die Mannschaft aber da im Nachholspiel gegen den SSV Reutlingen vor 6567 Zuschauern fabrizierte, besaß nur arg begrenzten Unterhaltungswert. Das Endergebnis passte zum dürftigen Niveau: 0:0. Beide Mannschaften kommen damit auf 30 Punkte, vom Abstiegskampf verabschiedet haben sie sich damit noch längst nicht.

Union muss zugute gehalten werden, dass man stark ersatzgeschwächt aufs Feld lief. Nach Molata, Menze, Kozak (alle verletzt) und Baumgart (gesperrt) fiel kurzfristig auch noch Stürmer Sreto Ristic wegen Beschwerden an der Wade aus. Der aufgebotene Rest kämpfte redlich, war jederzeit bemüht, fand aber nie die rechte Harmonie im Zusammenspiel. Kostadin Widolow, noch immer bei den Köpenickern für Geistesblitze zuständig, war der Einzige, der Reutlingens Torwart Goran Curko (früher TeBe) vor dem Wechsel zweimal ein bisschen Bewegung verschaffte.

Nach einer Stunde forderten die Fans mit Sprechchören den Einsatz des lange verletzten Chibuike Okeke. Trainer Mirko Votava reagierte tatsächlich: Er brachte Sixten Veit für den jetzt auch noch am Oberschenkel verletzten Salif Keita. Keine schlechte Wahl. Veit zwang Curko immerhin zu seiner größten Tat an diesem trostlosen Fußballabend, überwinden konnte aber auch er Reutlingens Torwart nicht. Zuvor war schon Tom Persich nur um ein paar Zentimeter an einer Kopfballvorlage von Widolow vorbeigerannt. Aber auch solche Szenen gaben der Partie keinen dramatischen Anstrich. Insofern war das torlose Remis schon deshalb rundum gerecht, weil für diesen biederen Kick keine der beiden Mannschaften mit drei Punkten belohnt werden durfte. Den Schlusspfiff des Schiedsrichters begleiteten folgerichtig gellende Pfiffe von den Rängen. Und danach gab Unions Abwehrspieler Ronny Nikol zu: „Das war Angsthasenfußball.“

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