Sport : Wie die Klitschkos

Die Brüder Steko geben den Ton an – im Kickboxen

Daniel Pontzen

München. Der neue Tag war schon eine halbe Stunde alt, doch Mutter Andja hatte noch immer keinen Appetit, die Aufregung war zu groß. Vater Ivan hatte die Kunde vom Ausgang des Kampfes schon in diverse Winkel der Erde getragen, Bruder Pavlica sprach von riesiger Erleichterung. Man hätte leicht den Eindruck gewinnen können, es habe sich Dramatisches abgespielt bei dem Kampf, in dem es für Mladen Steko, 26, darum ging, seinen WM-Titel der World Kickboxing Association zu verteidigen und sich zusätzlich den des Konkurrenzverbandes ISKA umzuschnallen.

Nur den Athleten selbst hatte der Kampf nicht in größere Aufregung versetzt. Als er nach dem Duschen durch die Münchner Heide-Volm-Halle schlenderte, sah er aus, als komme er gerade vom Friseur. Das Haar fein gelegt, nicht die Spur einer Schwellung. Kein Indiz dafür, dass der Mann soeben mit präzisen Tritten und Schlägen seinem italienischen Herausforderer einen sehr ernüchternden Abend beschert hatte. „Natürlich fühle ich mich nicht ganz ausgelastet“, gab Steko zu, „als es vorbei war, war ich gerade richtig warm.“ Es ist das große Glück und zugleich die Crux, dass der in München lebende Kroate in seiner Gewichtsklasse im Vollkontakt-Kickboxen, der härtesten Variante, konkurrenzlos ist.

Drei Minuten probierte sich Massimiliano Catasta, ein Stuntman aus Rom, an dem zähen Halbschwergewichtler. Dann rammte Steko eine rechte Gerade in das Gesicht seines Gegners, Catasta ging zu Boden, stand wieder auf - „der Rest war Routine“, sagt Steko, eine Serie auf Kopf und Leber folgte, und Catasta stand nicht mehr auf.

Nun wird Steko, der 20 seiner 21 siegreichen Profikämpfe durch K. o. gewann, wieder das Problem haben, sich zu motivieren. Immerhin war die Vorbereitung diesmal abwechslungsreich. Neuerdings beschäftigt sich Steko auch mit der Vermarktung des Kampfabends, er ist Betriebswirt. „Richtig vorbereitet hat er sich nur anderthalb Monate, sonst braucht er zweieinhalb“, verrät sein Vater.

Vielleicht wird als Nächstes Bruder Pavlica in den Ring steigen, ebenfalls Weltmeister der WKA, eine Gewichtsklasse höher. Die beiden leiten eine Kickboxing-Schule, coachen sich gegenseitig, begleiten sich ständig. Vieles erinnert bei dem Bruderpaar an die Klitschkos – nur ein bisschen erfolgreicher waren die Kroaten zuletzt.

Vater Ivan Steko dürfte als Manager seines Sohnes der Abend Sorgen bereitet haben: Die Gegnersuche wird nun immer mühsamer. Der Tscheche Lubomir Suda etwa, kürzlich noch Weltmeister nach Version des dritten Verbandes, trat zurück, kurz nachdem ihm Steko einen Kampf angeboten hatte. So gibt es wohl nur einen, der Mladen Steko gefährlich werden könnte: Pavlica Steko, vorausgesetzt, er nähme drei Kilo ab. Doch das Bruderduell als finale Schlacht, das wird es nicht geben. Schon der Mutter zuliebe. Sie würde sicher in einen längeren Hungerstreik treten.

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