Wie die  WOCHE wird : Exoten statt Russen

Die Leichtathletik-WM in Peking könnte unerwartete Sieger hervorbringen. Julius Yego oder Keshorn Walcott zum Beispiel. Dabei kommen die beiden doch aus Ländern, die eher für ihre Läufer bekannt sind.

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Keshorn Walcott kommt aus dem Land der Sprinter, Trinidad and Tobago, und zählt zu den Favoriten im Speerwerfen.
Keshorn Walcott kommt aus dem Land der Sprinter, Trinidad and Tobago, und zählt zu den Favoriten im Speerwerfen.Foto: REUTERS

Muskelmann aus Kenia

Früher war alles nicht so kompliziert. Auch in der Leichtathletik. Früher gewannen im Kugelstoßen oder Speerwerfen in der Regel die Russen aus der Sowjetunionen oder die Deutschen aus der DDR. Nun war früher nicht alles besser, nur weil es nicht so kompliziert war. Doch ein bisschen mehr Orientierung war schon da im Leben. Und dazu zählte eben auch, dass du, wenn du deinen Fernsehkasten bei Olympischen Spielen eingeschaltet hast, genau wusstest, dass der Muskelmann oder die Muskelfrau aus der Sowjetunion oder der DDR gleich das Kugelstoßen gewinnen wird. Was du früher nicht wusstest, war, dass die Kenianer etwas anderes können als laufen. Früher wusstest du ja auch nicht, was politisch korrekt ist. Aber heute, im Jahr 2015, ist alles anders. Auch in der Leichtathletik, die in diesen Tagen in Peking stattfindet. So heißt einer der großen Favoriten auf Gold im Speerwerfen Julius Yego. Das klingt nicht Russisch oder Deutsch. Warum auch? Yego kommt aus Kenia, dem Land der Läufer, das plötzlich auch Männer mit schnellkräftigen Wurfarmen hervorbringt. Einer von Yegos ärgsten Konkurrenten ist Keshorn Walcott. Der Mann stammt aus dem Land der Sprinter, Trinidad und Tobago.

Gegenteil von exotisch

Wem das alles zu viel wird, der sollte vielleicht am Montagabend den Fernseher einschalten. Das Gegenteil von exotisch ist schon rein klanglich die Paarung 1. FC Kaiserslautern gegen den SC Paderborn. Wunderdinge aus dem Land der Fußballer wird bei dieser Zweitligapaarung kaum einer erwarten. Eher ein Kampfspiel mit ein paar gelungenen und ein paar weniger gelungenen Pässen. Ein Spiel in jedem Fall, in dem du auch mal weggucken und zum Beispiel in der Zeitung nachschlagen kannst, was in dieser Woche sportlich noch alles auf dem Programm steht.

Wahl zwischen zwei

Nun wird am Donnerstag in Monaco kein Sport betrieben, dafür aber der beste Fußballer Europas gewählt. Diese Wahl ist so unkompliziert wie die Welt früher war. Seit einer gefühlten Ewigkeit gewinnen Ronaldo oder Messi. Dann steht immer noch ein Dritter zur Auswahl. Der ist aber nur dabei, weil am Ende eben einer aus drei gewählt werden muss. Der Dritte ist dieses Mal Luis Suarez. In Monaco werden zudem die Gruppen zur Champions League ausgelost.

Altersbedingtes Defizit

Wer beim Spiel Kaiserslautern gegen Paderborn in die Zeitung blickt, wird vielleicht lesen, dass am Freitag Deutschlands Basketballer auf Frankreich treffen. Die Deutschen wollen endlich mal wieder was reißen. Vom 5. bis 20. September findet die Europameisterschaft statt. Mit dabei ist seit langer Zeit mal wieder Dirk Nowitzki. Auch so ein Exot, der diesen muskelbepackten Amis seit vielen Jahren einen Korb nach dem anderen einschenkt. Inzwischen ist er aber in die Jahre gekommen, mit 37 geht es ihm gerade in der Verteidigung manchmal etwas zu schnell. Dennis Schröder könnte die Defizite kompensieren.

Selbstbewusster als DDR-Sportler

Zurück zur Leichtathletik, zu Dingen, die es früher nicht gegeben hätte. So kommt einer der Favoriten im Diskuswerfen aus der Karibik. Der Jamaikaner Jason Morgan reist als Nummer zwei an. Er sagt vor der Entscheidung am Samstag: „Nur ich selbst kann mich stoppen.“ So selbstbewusst waren früher nicht mal die Werfer aus der DDR.

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