Sport : Wie ein Champion

Auf dem Weg zum Titel scheinen sie nach dem 3:1 in Bremen auch ohne Emerson unaufhaltsam zu sein

Manager Reiner Calmund spricht gern vom neugewonnenen "Killerinstinkt" seiner Mannschaft. Ob der für den Titelverteidiger FC Bayern München wirklich tödlich ist, wird sich in Kürze zeigen. Zumindest macht es den Eindruck, als sei der ewige Zweite Bayer Leverkusen nun reif für den Titel. Auf dem Weg zur ersten Deutschen Meisterschaft überwand das Team sogar seinen Bremen-Komplex. "Wenn mir jemand vor der Saison gesagt hätte, dass wir am 31. Spieltag zum ersten Mal in Bremen gewinnen und uns dadurch schon direkt für die Champions League qualifiziert haben, hätte ich 25 Salti gemacht", meinte Calmund nach dem 3:1-Sieg gegen Werder Bremen im Weserstadion.

Durch den ersten Erfolg im Norden nach 19 vergeblichen Versuchen setzten die Leverkusener die Konkurrenz aus dem Süden unter Zugzwang. "Verlieren die Münchener in Dortmund, stehen unsere Chancen besser als 50 Prozent", glaubt Calmund. Dass die Leverkusener in ihrer derzeitigen Form sich einen Vorsprung von fünf oder sechs Punkten an den letzten drei Spieltagen nehmen lassen, ist für ihn schwer vorstellbar.

Denn was die Mannschaft von Trainer Christoph Daum in Bremen bot, war die Demonstration eines zukünftigen Champions. Souverän, selbstsicher und mit großer Spielfreude zelebrierte sie ihr Können gepaart mit starkem Siegeswillen. An Abwehrchef Nowotny kam kein Gegenspieler vorbei. Ballack zog im Mittelfeld unauffällig, aber effektiv die Fäden. Ze Roberto zeigte den Bremern Tricks, bei denen sie wahrscheinlich am liebsten applaudiert hätten. Kirsten und Rink bewiesen, dass sie das derzeit beste deutsche Sturmduo bilden.

Dass der Weltklasse-Spieler Emerson nicht dabei war, fiel gar nicht auf. Dem Brasilianer half auch der Besuch bei einem "Wunderheiler" in Österreich nicht weiter. Der 23-Jährige, der sich einen Abriss des Syndesmosebandes zugezogen hat, fällt bis zum Saisonende aus. "Er hat versucht, den letzten Strohhalm zu ergreifen. Er zeigt seine Identifikation mit dem Verein und der Mannschaft", sagte Calmund. Er bekräftigte, dass der Klub den abwanderungswilligen Brasilianer unbedingt halten will. Der AS Rom buhlt neuerdings nicht nur um ihn, sondern auch um Nowotny.

Die Treffer durch Kirsten, Rink und Ze Roberto in Bremen waren nur bescheidende Belege der Leverkusener Überlegenheit, das Gegentor durch Flock eher eine nette Aufmerksamkeit für einen überforderten Gegner. Am Ende feierte selbst der Werder-Anhang die Gäste aus dem Westen und stimmte in den Chor ein: "Zieht den Bayern die Lederhosen aus". Trainer Schaaf bekannte sich ebenfalls als Fan Leverkusener Spielkunst: "Da kann man lecker hinschauen."

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