Sport : Wie ein Hurrikan

Im stürmischen Regen sprintet Lauryn Williams zum Titel – der Hammerwerfer Markus Esser hätte zuvor fast Bronze geholt

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Es sollte das Duell zwischen Christine Arron und Julia Nesterenko werden. Gewonnen hat das Rennen über 100 Meter jedoch die Amerikanerin Lauryn Williams. Die Französin Arron galt als die große Favoritin, die Olympiasiegerin Nesterenko aus Weißrussland als unberechenbare Konkurrentin. Nach einem rätselhaft großen Leistungssprung hatte Nesterenko im vergangenen Jahr in Athen die Goldmedaille gewonnen, und auch in diesem Jahr schien sie nach zweitklassigen Rennleistungen auf einmal wieder auf dem Weg nach vorne zu sein. Doch daraus wurde nichts. Nesterenko belegte im Finale den letzten Platz in 11,13 Sekunden.

Aber auch für Christine Arron reichte es nicht, sie wurde Dritte, immerhin war es ihre erste WMMedaille. Sie schien nicht recht zu wissen, ob sie sich darüber freuen sollte. „Ich bin wirklich glücklich über meine erste Einzelmedaille bei einer WM, aber ich bin auch ein bisschen enttäuscht, denn ich hätte auch gewinnen können“, sagte die Französin, „aber es ist ja immer noch okay.“

Vielleicht war ihr die Favoritenrolle nur schwer erträglich, Arron hatte jedenfalls die schlechteste Reaktionszeit am Start und konnte den Rückstand nicht mehr aufholen. 10,98 Sekunden war ihre Zeit, drei Hundertstel langsamer als die Zweitplatzierte Veronica Campbell aus Jamaika und fünf langsamer als Lauryn Williams aus den Vereinigten Staaten. „Es ist der größte Sieg meiner Karriere und auf jeden Fall mehr wert als meine Silbermedaille von den Olympischen Spielen in Athen“, sagte Williams. Als die Frauen am Start standen, setzte gerade ein stürmischer Regen ein. „Es war wirklich wie ein Hurrikan draußen“, sagte Williams, „aber das ist genau das richtige Wetter für mich.“

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Wenn Kenenisa Bekele läuft, dann begleitet ihn seine Geschichte. Seit im Januar seine Verlobte im Training zusammenbrach und starb, hat das Laufen für ihn eine neue Bedeutung bekommen. Er läuft, um ein bisschen zurückzubekommen von seinem alten Leben. Sportlich ist der 22 Jahre alte Äthiopier dabei, wieder auf seinem alten Niveau anzukommen. Gestern wurde er im Olympiastadion von Helsinki Weltmeister über 10000 Meter. 27:08,33 Minuten brauchte er für die Strecke, sein Landsmann Sileshi Sihine hielt gut mit, konnte aber Bekeles Schlussspurt nichts mehr entgegen setzen, ebenso wenig der Drittplatzierte Moses Mosop aus Kenia.

Auf Fragen zu seinem Rennen antwortet Bekele inzwischen auch auf Englisch. Einerseits zieht er sich oft in sich zurück, andererseits bemüht er sich, ein bisschen offener zu sein als früher. „Ich war nicht gut vorbereitet, weil ich meine Verlobte verloren habe. Und ich bin sehr müde“, sagte er. Die 5000 Meter wolle er in Helsinki nicht laufen, es werde ihm sonst zu viel.

Mit dem Titel über zehn Kilometer hat er auch schon viel erreicht. „Für ihn war es unglaublich wichtig. Er hat heute alles reingelegt für seine verstorbene Verlobte“, sagte sein Manager Jos Hermens, der sich um Bekele auch in der Zeit unmittelbar nach dem Unglück intensiv gekümmert hatte. Das Rennen war auch durchaus offen. Neun Läufer hatten in der letzten Runde noch Chancen auf den Sieg. Die Äthiopier um Bekele hatten schon sechs Runden vor Schluss versucht, die anderen mit einer Tempoverschärfung abzuhängen. Doch die Entscheidung fiel erst in der letzten Runde.

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Dritter Wettkampftag, dritte deutsche Medaille in einer Wurfdisziplin? Nach einmal Bronze mit der Kugel und einmal mit dem Diskus jetzt mit dem Hammer? Markus Esser konnte sich gleich dafür empfehlen. In der zweiten Runde übernahm er sogar kurz die Führung mit einem Wurf über 79,11 Meter. Dass es dabei nicht bleiben würde, hatte der 25 Jahre alte Leverkusener jedoch schon vor dem Wettbewerb gewusst: „Es war klar, dass Gold und Silber an Weißrussland geht. Nur Bronze war noch offen.“ In der Tat landeten zwei Weißrussen auf den ersten beiden Plätzen: Weltmeister wurde Iwan Tikhon mit 83,89 Meter, weiter hat bei einer Weltmeisterschaft noch niemand den Hammer geworfen. Hinter ihm kam Wadim Dewiatkowski mit 82,60 Metern auf Platz zwei.

Den Kampf um den offenen Podestplatz verlor Esser nur knapp. Der Pole Szymon Ziolkowski erreichte 79,35 Meter, Esser 79,16. „Einerseits bin ich sehr zufrieden, andererseits aber total traurig“, sagte der Leverkusener. „Was sind denn 19 Zentimeter, die fehlen, im Vergleich zu 79 Metern, die man hinter sich gebracht hat?“ Dennoch sei es bisher sein bester internationaler Wettkampf gewesen. „Es bleibt jetzt der Eindruck in der Welt, dass Deutsche den Hammer wieder weit werfen können“, sagte Markus Esser. Er selbst wolle nun vor allem an seiner Stabilität arbeiten. Wenn er konstant 79 Meter werfe, dann werde ihm auch sicher mal ein Ausreißer auf 80 oder 81 Meter gelingen. Das hätte ganz leicht für Bronze gereicht.

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Weltmeisterin war sie schon, dann versuchte sie sich am Weltrekord: Dreimal scheiterte die schwedische Hochspringerin Kajsa Bergqvist an der Höhe von 2,10 Meter. Die alte Bestmarke von 2,09 Meter hatte die Bulgarin Stefka Kostadinowa 1987 bei der WM in Rom aufgestellt. Für den Titel 2005 in Helsinki reichten Bergqvist 2,02 Meter.

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