Sport : Wie ein Kirmesboxer Bayer Leverkusen kann mit den Großen nicht mithalten

Erik Eggers

Mailand. Das britische „Kick and Rush“, der italienische „Catenaccio“ oder auch das verschwurbelte „Scheiberl-Spiel“ der Österreicher – früher hatte fast jedes Land seinen eigenen Fußballstil. Heutzutage hingegen, da gebürtige Nigerianer in der polnischen Nationalmannschaft spielen, erscheint es oft mehr als bemüht, so etwas wie herausstechende nationale Eigenarten im Fußball erkennen zu wollen. Hector Cuper, der introvertierte Trainer von Inter Mailand, allerdings scheint noch ganz der alten Zeit verhaftet zu sein, wie sich nach dem 3:2-Sieg seines Teams in der Zwischenrunde der Champions League gegen Bayer Leverkusen zeigte.

Cuper begründete seine offensive Aufstellung tatsächlich damit, dass „deutsche Mannschaften immer überaus geordnet und präzise stehen“. Das klang gleich aus mehreren Gründen absurd. Nicht nur, weil Leverkusens Siege in der vergangenen Saison nicht einer typisch deutschen Spielweise zu verdanken waren, sondern vielmehr einer brasilianisch-türkisch-kroatisch-bulgarisch-deutschen Koproduktion. Zudem ignorierte Cupers Einschätzung die Tatsache, dass Bayers Defensive das letzte Aufgebot darstellte. Wenn sich im Abwehrzentrum ein Spieler wie Thomas Kleine, der sonst mit den Amateuren auf den Regionalligaplätzen in Paderborn oder Aue spielt, abwechselnd mit den Weltklasseangreifern Hernan Crespo und Christian Vieri auseinander zu setzen hatte, dann war das so, als hätte ein westfälischer Kirmesboxer in den Sechzigerjahren den großen Muhammad Ali herausgefordert.

Angesichts der bestehenden Kräfteverhältnisse wunderte sich hinterher daher auch niemand, dass Inter schon nach einer halben Stunde glaubte, die Partie entschieden zu haben. Da hatte Di Biagio die sich ihm bietenden Chancen herzlos und kühl zur 2:0-Führung genutzt – und Inter nahm den Gast fortan nicht mehr richtig ernst.

Es hatte also gute Gründe, dass Bayer in der Pause eine fiese Vorführung durch Inter befürchten musste. „Wir wollten uns in der zweiten Halbzeit nicht abschießen lassen“, sagte Hanno Balitsch. „Wir wollten kompakt stehen und haben uns vorgenommen, Inter mit einem Tor noch einmal zu verunsichern.“ Dass diese Absicht in die Tat umgesetzt werden konnte, war die eigentlich erfreuliche Erkenntnis dieses Spiels. Die Tore von Zivkovic und França verschönerten letztlich aber nur das Ergebnis. Auch deshalb, weil Torwart Jörg Butt zehn Minuten vor Schluss einen Ball zum 1:3 ins eigene Tor drückte. Doch selbst ohne diesen Fehler hätte Leverkusen das Spiel kaum noch wenden können. Nur Trainer Klaus Toppmöller hatte das anders gesehen. Er sprach hinterher davon, dass das Eigentor Butts in eine Phase platzte, „in der das Spiel gerade dabei war zu kippen“.

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