Sport : Wie ein Meister

Die Eisbären gewinnen das zweite Finalspiel in Düsseldorf 2:0 und können am Montag den Titel holen

Claus Vetter[Düsseldorf]

Schon anderthalb Stunden vor Spielbeginn schunkelten sich die Fans der Düsseldorfer EG gestern auf den Rängen im Eisstadion an der Brehmstraße ein – mit dem handelsüblichen rheinischem Liedgut. Manchem Anhänger des Traditionsklubs unter den 10 217 Zuschauern im ausverkauften Stadion mag dabei schon ein wenig nostalgisch zumute gewesen sein, als er gestern das „Altbier-Lied“ intonierte. Denn es ist wahrscheinlich, dass am Ostersonnabend zum letzten Mal ein Spiel der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) an der Brehmstraße stattgefunden hat. Nach 71 Jahren zieht die DEG in ihre neue Großarena im Stadtteil Rath um – nach der Saison, die schon am Montag beendet sein kann. Denn der Deutsche Meister aus Berlin zeigte auch im zweiten Finalspiel um die nationale Meisterschaft eine souveräne Leistung und siegte 2:0 (1:0, 1:0, 0:0). Das erste Spiel am Gründonnerstag hatten die Eisbären 6:1 gewonnen, am Ostermontag können sie mit einem Erfolg im Sportforum (14.30 Uhr) zum zweiten Mal hintereinander Meister werden.

Dass gestern an der Brehmstraße die Kassenhäuschen nach dem Spiel nicht mehr öffnen sollten für den Ticketverkauf für ein viertes Spiel am Donnerstag, zeichnete sich früh ab. Nach nur vier Spielminuten hatte Derrick Walser im ersten Berliner Überzahlspiel Düsseldorfs Torwart Andrej Trefilow bereits mit einem Distanzschuss überwunden. Der frühe Rückstand schien den Außenseiter zu bremsen. Die Düsseldorfer Spieler wirkten verunsichert, viele ihrer Pässe landeten beim Gegner. Ganz selten einmal kamen sie vor das Tor von Tomas Pöpperle, zudem strahlte der Berliner Torwart eine große Souveränität aus.

Dabei hätten die Düsseldorfer durchaus die Chance gehabt, den erst etwas zu ungestüm agierenden Gegner in Verlegenheit zu bringen. Nach sieben Spielminuten waren sie sogar gleich zwei Minuten lang in 5:3-Überzahl, als die Berliner Verteidiger Derrick Walser und Drake Berehowsky gleichzeitig auf der Strafbank saßen. Doch mehr als ein Pfostenschuss von Tommy Jakobsen kam bei den Bemühungen der DEG nicht heraus. Der Meister schlitterte allerdings auch nur selten in viel versprechende Situationen vor dem gegnerischen Tor – was wohl auch daran lag, dass die Eisbären besonders im zweiten Drittel viel zu häufig in Unterzahl agieren mussten, denn mitunter schienen die Düsseldorfer Spieler doch recht fallsüchtig zu sein.

Als die Berliner dann aber zwei Spieler mehr auf dem Eis hatten, war ihr Verteidiger Deron Quint mit einem Schuss von der blauen Linie erfolgreich. 38 Spielminuten waren vorbei, als der Amerikaner seinen Treffer erzielte. Danach konnte allerdings keinen Zweifel mehr darüber bestehen, wer das Eis als Sieger verlassen würde: die läuferisch und spielerisch bessere Mannschaft aus Berlin und nicht die erschöpft wirkenden Düsseldorfer. Die Zuschauer an der Brehmstraße sahen das auch so: Stehend feierten die treuen Düsseldorfer Fans im letzten Drittel ihre Mannschaft ohrenbetäubend laut mit Gesang und viel Applaus, verdientem Applaus für eine gute Saison, in der für die Düsseldorfer wohl der Höhepunkt das Weiterkommen in der Halbfinalserie gegen die Kölner Haie war. „Die Nummer eins am Rhein, das sind wird“, sangen sie. Für die Berliner Eisbären, deren 500 Fans akustisch gestern im letzten Drittel völlig chancenlos waren, hingegen steht der Saisonhöhepunkt wohl noch bevor: Am Ostermontag können sie nun in Berlin zum zweiten Mal Deutscher Meister werden. Ihr Trainer Pierre Pagé sagte gestern: „Das war eine sehr gute Teamleistung, aber meine Spieler sollten nicht jetzt schon zu glücklich sein. Der dritte Sieg in so einer Serie ist immer der schwerste.“

So clever wie die Eisbären am Sonnabend agiert haben, sollte ihnen die Titelverteidigung am Montag gelingen. Zum ersten Mal überhaupt hätten dann ein DEL-Team eine Finalserie zweimal in Folge mit 3:0-Siegen gewonnen.

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