Sport : Wie eine Erlösung - Nach acht Monaten ist Ciric bei TeBe angekommen

Benedikt Voigt

Sasa Ciric schulterte seine Sporttasche, setzte ein grimmiges Gesicht auf und sagte: "Ich sage nichts." So hatte beim mazedonischen Stürmer von Tennis Borussia oft das Ende eines Arbeitstages bei Tennis Borussia ausgesehen. Allerdings in der Hindrunde. Am Sonntag war das anders. Gelöst saß Sasa Ciric in einem schwarzen Anzug in der Gaststätte des Mommsenstadions und plaudert mit seinem Landsmann Artim Sakiri und Journalisten.

Sasa Ciric war nach dem 2:1 von Tennis Borussia über Hannover 96 ein gefragter Gesprächspartner. Beide Tore hatte der 32-Jährige zum Erfolg beigetragen, es waren seine Saisontreffer sechs und sieben. Erstmals spielte Ciric auch im Verein neben seinem Kollegen aus der mazedonischen Nationalmannschaft. Über Sakiris Debüt freute sich Ciric: "Ich hoffe, er ist ein Glücksbringer." Was im Zweitligaspiel gegen Hannover ja schon zutraf. Ciric jedenfalls sagt: "Ich bin wieder da." War er denn jemals weg?

Geistig schon. Bis kurz vor Ablauf der Wechselfrist Anfang Januar hatte der Angreifer Tennis Borussia um die Freigabe für Eintracht Frankfurt gebeten. "Ich wollte weg", erinnert sich Ciric, "aber ich durfte nicht gehen." Immer noch ärgert es Ciric, dass Trainer Winfried Schäfer ihn als mit fünf Treffern erfolgreichsten Stürmer seit dem Pokalspiel gegen Hertha BSC nur als Einwechselspieler benötigte. "Ich wollte einen Stammplatz", erklärt Ciric, "ich kann auch als 30-Jähriger Verantwortung übernehmen." Seit Sonntag hat er wieder einen, "ich hoffe es bleibt so." Für 3,9 Millionen Mark Ablösesumme wechselt Ciric in der Sommerpause vom 1.FC Nürnberg nach Berlin und unterschrieb einen Vertrag bis zum Jahr 2002. Die hohe Summe brachte ihm den Titel "teuerster Zweitligaspieler" ein. Nach dem erfolgreichen Rückrundenbeginn am Sonntag sagte er: "Ich bleibe bis zum Ende des Vertrages".

Inzwischen fühlt sich Ciric wohl in Berlin. "Ich habe eine gute Vorbereitung gespielt", erklärt er. Zum sportlichen Glück kommt nun auch das private, denn seine Frau Svetlana, der es zunächst nicht in Berlin gefallen hatte, kehrte mit den beiden Kindern in der vergangenen Woche zurück. In London hatte sie als Choreographin mazedonische Volkstänze in Szene gesetzt. Nun sucht sie einen Job in Berlin.

"Jetzt ist Ruhe im Kopf", freute sich Ciric, "dann weiß man eben, wohin ein Ball von der Latte springt." Bei seinem Kopfballtreffer zum 1:0 war der Mazedonier exakt an der Stelle gestanden, wo der Ball nach Walkers Lattenknaller hinprallte. Beim 2:0 hatte eine findiger Kameramann ein Handspiel von ihm entdeckt. "Ich habe den Ball ein bisschen mit der Hand gespielt", gibt Ciric zu, "aber ich bin kein schmutziger Spieler." Der sensible Fußballspieler kann auch wieder lachen. "Die Tore waren wie eine Erlösung, das war ein gutes Comeback." So kann es weitergehen. Vor dem Spiel am Sonntag beim Karlsruher SC verspricht Ciric: "Es bleibt nicht bei sieben Toren."

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