Sport : Wie eine neue Gewerkschaft für die Rechte der Spieler eintreten will

Sebastian Arlt

Ist das die Zukunft? Einsam und alleine wartet der Basketball-Trainer Svetislav Pesic am 1. Mai auf die Spieler von Alba Berlin. Doch die Schmeling-Halle bleibt leer. Die Profis haben sich draußen auf dem Parkplatz versammelt. Es kommt noch zu einer Diskussion zwischen Pesic, Vizepräsident Marco Baldi und den Spielern. Dann bewegt sich ein großgewachsenes Dutzend hinter dem Spruchband "Vereinigung der Basketball-Vertragsspieler e. V." in Richtung Rotes Rathaus, wo die Mai-Kundgebung des DGB stattfindet. Kapitän Henrik Rödl hat seine Tochter mitgebracht, die stolz ein Plakat hochhält: "Bundesliga? Am Sonntag gehört Papa mir." Basketballer, hört die Signale!

"So weit wird es nicht kommen", sagt Jens Wehrmeyer und muss lachen, wenn er sich dieses Szenario vorstellt. Nein, streikende Basketballer sind eher kein Thema, Tatsache dagegen ist, dass künftig die Interessen der Spieler vertreten werden. Interessengemeinschaft, Berufsverband oder Gewerkschaft - wie immer man den eingetragenen Verein nennen will. Das Serviceangebot erstreckt sich von der Überprüfung und Gestaltung von Verträgen (auch Musterarbeitsverträge für die Spieler stehen im Forderungskatalog), Beratungen in Steuer- und Versicherungsfragen bis hin zu einer qualifizierten Rechtsberatung. Präsident ist der ehemalige Alba-Spieler Henning Harnisch, sein "Vize" Henrik Rödl, mit im Präsidium auch Kai Nürnberger von den Frankfurt Skyliners. Das Projekt trägt sich noch nicht über Mitgliedsbeiträge, sondern wird von einigen Spielern vorfinanziert. Offen ist die VdV für Spielerinnen und Spieler der ersten und zweiten Liga. Als längst überfällig wurde in Spielerkreisen seit Jahren eine solche Organisation angesehen. Jetzt hat es geklappt.

Zum einen, sagt Rödl, "weil Henning mehr Zeit hat", zum anderen, weil man in Wehrmeyer einen Mann des Vertrauens gefunden habe. Der ursprüngliche Plan, dass aktive Spieler ehrenamtlich die Aufgabe angehen, habe sich aus Zeitgründen als unmöglich erwiesen. "Wir wollen ein noch professionelleres Umfeld schaffen", sagt Rödl. Wobei der hauptamtliche Geschäftsführer Wehrmeyer auch erklärt: "Es geht uns um Kooperation, nicht um Konfrontation." Man sehe sich als "Teil der Basketball-Familie". Zusammen mit dem Verband und der Arbeitsgemeinschaft Basketball-Bundesliga (BBL) wolle man die Sportart professioneller und progressiver gestalten.

Die VdV hat sich hohe Ziele gesetzt - 70 Prozent der Spieler will man als Mitglieder gewinnen. Im Moment klappert Wehrmeyer die Klubs ab, informiert die Spieler, verteilt einen Fragebogen, wirbt um Mitglieder. Man befindet sich in der "Aufbauphase" (Rödl). Die VdV hat Vorbilder: in Deutschland die Spielervereinigungen der Fußballer und Eishockeyspieler, bei denen Wehrmeyer große Unterstützung fand. Als "Nonplusultra" sieht der Geschäftsführer die Situation in Spanien an. So weit müsste man schon sein ... Die dortige Spielergewerkschaft wird von der Liga selbst finanziert, man hat in wichtigen Gremien Sitz und Stimme, jeder Profi wird mit seiner Spielgenehmigung automatisch Mitglied, man hat sich auf Urlaubsregelungen geeinigt - all das soll es einmal, so hofft jedenfalls die VdV, auch in Deutschland geben.

Und ganz aktuell hat sich die Vereinigung mit dem Problem der Öffnung des gesamten europäischen Spielermarktes zu beschäftigen, die vom kommenden Sommer an gelten wird. Welche Position soll die VdV einnehmen? Wie heikel diese Frage ist, hat Henning Harnisch in einem "taz"-Interview gut beschrieben: "Da kollidiert das politische Ich des Präsidenten, das sagt, im Interesse der Spieler in der Bundesliga soll es eine Beschränkung von Nicht-EU-Spielern geben, mit dem Ich, das sagt, im Sport sollen die Grenzen offen sein."

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