Sport : Wie eine Operation ohne Narkose

Bayern oder Dortmund – einem ungeliebten Rivalen wird Schalke 04 im Kampf um die Meisterschaft helfen.

von
Kampf um Pott und Schale. Schon im Hinspiel in Dortmund, das die Borussia 2:0 gewann, ging es ziemlich ruppig zu.Foto: dapd Foto: dapd
Kampf um Pott und Schale. Schon im Hinspiel in Dortmund, das die Borussia 2:0 gewann, ging es ziemlich ruppig zu.Foto: dapdFoto: dapd

Nein, eine vorzeitige Kapitulation wollte natürlich niemand unterschreiben. Aber so ganz geheuer war den Spielern des FC Schalke 04 der Gedanke an das Revierderby gegen den ungeliebten Nachbarn Borussia Dortmund nicht. Zur gleichen Zeit, als sie nach einer indiskutablen Leistung eine herbe Auswärtspleite beim 1. FC Nürnberg hinnehmen mussten, hatten die Dortmunder in einem furiosen Spiel gegen den FC Bayern München gewonnen. Diese Erfahrung wirkte nicht gerade aufbauend.

„Samstag ist ein neues Spiel. Wir sind vier Punkte vor Borussia Mönchengladbach, die wollen wir behalten“, sagte Klaas-Jan Huntelaar. Und Torhüter Lars Unnerstall sprach davon, dass er und seine Kollegen „alles dafür geben werden, den Fans einen Derbysieg zu schenken“. Es gab schon einmal kämpferischere Ansagen von Seiten der Schalker vor einem der bisher 139 Ruhrgebietsderbys. Die Gastgeber befinden sich in einer Situation, die die Anhänger wohl irgendwo zwischen Pest und Cholera einordnen würden. Sollten sie diese Partie gewinnen, dann hätten sie aller Voraussicht nach den Münchnern geholfen und das Meisterschaftsrennen doch noch einmal spannend gemacht. Die Abneigung rund um Gelsenkirchen gegen den Rekordmeister ist allerdings nur unwesentlich geringer als die gegen den BVB. Wenn es allerdings ganz schlecht läuft für die Schalker, also der FC Bayern sein Heimspiel gegen Mainz 05 am Abend verlieren würde und der ungeliebte Nachbar in Gelsenkirchen gewinnen sollte, dann hätten die Dortmunder die Meisterschaft ausgerechnet in der Schalker Arena so gut wie perfekt gemacht. Das wäre für die Anhänger wohl vergleichbar mit den Schmerzen einer Blinddarmoperation ohne Narkose.

„Allein schon der Gedanke schmerzt“, sagt Horst Heldt. „Wir können ja nicht beeinflussen, was auf den anderen Plätzen passiert. Aber das Derby werden wir sicher anders angehen“, so der Schalker Manager. Auch Christoph Metzelder weiß um die besonderen Erwartungen an ihn und seine Kollegen: „Für manch einen Fan ist ja wichtiger, gegen Dortmund zu gewinnen als einen Titel zu holen.“

Die Schalker Profis wissen zumindest, dass sie bei einem Sieg gegen den BVB am Samstag die Absolution von den Anhängern erteilt bekommen würden. Allerdings liegt der letzte Derbysieg schon etwas zurück. Im Februar 2010 gewann man mit 2:1. „Wenn wir es gut machen, kann das für das Spiel in Nürnberg als Entschuldigung gelten“, sagt Metzelder. Vor allem würde die Mannschaft von Trainer Huub Stevens den ohnehin geschmolzenen Vorsprung auf Platz vier weiter verteidigen können. Die eigentlich sicher geglaubte direkte Qualifikation für die so lukrative Champions League würde im Falle einer Niederlage sonst wieder in akute Gefahr zu geraten.

Das Spiel gegen Dortmund dürfte kaum einem Vergleich mit den bisherigen Bundesligaspielen standhalten. Denn für seine laufintensive und offensivfreudige Spielweise hat der BVB ein Alleinstellungsmerkmal. Gegenmittel haben nur wenige Teams gefunden. „Wir müssen versuchen, noch schneller als Dortmund umzuschalten. Das ist im heutigen Fußball so“, sagt Stevens. Der Holländer sieht seine Mannschaft in der Außenseiterrolle, sagt aber: „Es ist doch schön, dass beide Vereine oben mit dabei sind. Das macht die Begegnung noch brisanter.“

Ob Schalke den BVB im Saisonendspurt noch in Bedrängnis bringen könnten, wurde Stevens noch gefragt. „Es wird sehr schwer, die da wegzubekommen. Die Chancen auf den Titel sehe ich bei 80:20.“

Autor

0 Kommentare

Neuester Kommentar