Sport : Wie einst Björn Borg

Roger Federer siegt in Melbourne ohne Satzverlust

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Melbourne - Roger Federer kann ein sehr generöser Mensch sein – wenn er nicht gerade auf dem Tennisplatz steht. „Er ist ein großer Spieler“, sagte Federer, und er meinte nicht sich selbst, sondern seinen derzeit härtesten Konkurrenten, den Spanier Rafael Nadal. „Ich genieße es, ihn auf Sand spielen zu sehen.“ Nadal auf Sand zu schlagen, das ist die letzte große Herausforderung, die Federer, der Nummer eins der Tenniswelt, noch bleibt. Am Sonntag gewann er durch ein 7:6 (7:2), 6:4, 6:4 gegen den Chilenen Fernando Gonzalez das Finale der Australian Open. Der Schweizer sicherte sich den Sieg in Melbourne, ohne einen einzigen Satzverlust im gesamten Turnier. Als letztem Spieler ist dies Björn Borg gelungen, vor 27 Jahren bei den French Open. Das Turnier in Paris ist der letzte Grand- Slam, den der 25-Jährige noch nicht gewonnen hat. Dort hat zuletzt der Sandplatzspezialist Nadal triumphiert.

Der Erfolg gegen Gonzales bescherte Federer den zehnten Grand-Slam-Titel seiner Karriere. „Ich bin so glücklich“, sagte er, nachdem er das Match gegen den Chilenen nach 2:20 Stunden mit einer krachenden Rückhand beendet hatte. Anschließend ließ er sich auf den Platz fallen. „Erst ist es Erleichterung, Sekunden später kommt die Freude.“

Mehr Grand-Slam-Titel als Federer haben nur noch Pete Sampras (14), die Australier Roy Emerson (12) und Rod Laver (11) sowie Björn Borg (11) geholt. „Ich wollte nicht über Petes Rekord reden, bevor ich nicht die Hälfte geschafft habe. Aber jetzt komme ich so schnell immer näher. Der Sieg hier gibt Auftrieb für das ganze Jahr“, sagte Federer, dem im Vorjahr nur die French Open zum Grand Slam fehlten. Zuletzt hatte Laver 1969 die vier wichtigsten Turniere in einem Jahr gewonnen. „Voriges Jahr dachte ich zum ersten Mal: Ich kann es schaffen“, gestand Federer, dem mit seinem 36. Sieg hintereinander eine persönliche Bestmarke gelang. Zur Einstellung des Rekordes, den der Argentinier Guillermo Vilas hält, fehlen ihm noch zehn. Federer wird außerdem Ende Februar mit 160 Wochen als Nummer eins den Rekord von Jimmy Connors übertreffen.

Entscheidend im Finale gegen Gonzalez war der erste Satz, in dem Federer erstmals während des Turniers fast in Rückstand geraten wäre. Der Chilene besaß nach dem ersten Break beim 5:4 mit eigenem Aufschlag zwei Satzbälle. Einen entschärfte Federer am Netz, den zweiten vergab Gonzalez überhastet mit der Vorhand. Wenig später wehrte der 26- Jährige beim Stand von 5:6 zwar vier Satzbälle von Federer ab, doch im Tiebreak war der Weltranglisten-Erste klar stärker. „Ich hatte meine Chance“, sagte Gonzalez, „ich habe sie leider nicht genutzt.“ Von einem Knackpunkt im Match wollte Federer später nicht sprechen: „Ich wusste, dass es keine Matchbälle waren, sondern nur Satzbälle. Du kannst ein Spiel auch dann drehen, wenn du mit einem Satz hinten liegst, sogar mit zwei. Du musst nur daran glauben.“

In der hochklassigen Partie verstand es Federer oft, mit hoch abspringenden Bällen auf die Rückhandseite der gefürchteten Vorhand seines Gegners aus dem Weg zu gehen. Zudem konnte Federer das Tempo anders als Rafael Nadal oder Thomas Haas mithalten. Gonzalez machte in seinem ersten Grand-Slam- Finale zudem mehr Fehler und schaffte auch im zehnten Anlauf keinen Sieg gegen Federer. Der enttäuschte Weltranglistenneunte schluckte bei der Siegerehrung: „Es ist schwer für mich, hier zu stehen. Aber Roger ist ein großer Champion.“ Einer, der nun ein klares Ziel vor Augen hat: den Grand-Slam zu gewinnen. „Das ist die einzige Möglichkeit, dieses Jahr besser abzuschließen als das letzte“, sagte Federer. dpa/Tsp

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