Sport : Wie einst im April

Schon wieder verspielt Hannover eine 2:0-Führung gegen die Bayern – diesmal reicht es nur zu einem 3:3

Morten Holm

Hannover. Für Ottmar Hitzfeld und Ralf Rangnick ging die Hitzeschlacht in die Verlängerung. Zu den geschätzten 40 Grad Celsius im Raum der Pressekonferenz kamen noch drei Schweinwerfer Temperatur-steigernd hinzu. Sie sollten die beiden Bundesligatrainer für die Fernsehkameras ins rechte Licht setzen, sorgten an diesem heißen Nachmittag aber nur für Sturzbäche von Schweiß auf der Stirn. So beeilten sich die Trainer von Bayern München und Hannover 96 entsprechend, das zurückliegende Geschehen zu kommentieren.

Man hätte allerdings mindestens eine Stunde lang über dieses faszinierende Fußballspiel fachsimpeln können. 3:3 trennten sich Hannover 96 und die Bayern am Ende. Dem Deutschen Meister war erst in der Schlussminute der Ausgleich durch einen kunstvoll gedrehten Freistoß von Owen Hargreaves gelungen. Ob verdient oder nicht, interessierte wieder einmal nur die Fans des Gegners und in diesem Falle Hannovers Trainer Rangnick. „Wie im April, als wir nach einer 2:0-Führung noch 2:2 gespielt haben, weiß ich auch heute nicht, ob ich mich freuen oder traurig sein soll“, sagte Rangnick. Hitzfeld hatte unterdessen ein unterhaltsames Spiel gesehen, in dem sein Team aber nur im zweiten Durchgang überzeugt hatte. Roy Makaay dürften die Bayern noch nicht sehr vermisst haben; dieses Mal war es allein die Abwehr, die Hitzfeld Sorgen machte. Der teure Zugang aus Spanien war am Samstag in Hannover noch nicht dabei. Er soll sein Debüt am kommenden Samstag gegen den VfL Bochum geben.

Hitzfeld selbst hatte mit zwei Einwechslungen für die Münchner Metamorphose von schläfrig zu angriffslustig gesorgt. Zur Halbzeit stand es durch Tore von Nebojsa Krupnikovic (9. Minute), Jiri Stajner (27.) und Thomas Christiansen (43.) für Hannover 96 bei einem Gegentreffer von Michael Ballack nämlich 3:1 für die Niedersachsen. Hannovers Torhüter Tremmel zeigte am Samstag wieder einmal, dass sich bei ihm Weltklasseparaden und haarsträubende Fehler innerhalb von Augenblicken abwechseln können: Ballacks Schuss aus 26 Metern hätte er halten müssen. Er ließ ihn aber am Körper vorbei durchrutschen.

Die 23 500 Zuschauer der Baustelle AWD-Arena hatten trotzdem die beste Halbzeit einer Hannoveraner Mannschaft seit langer Zeit gesehen. Hitzfeld dagegen stand am Spielfeldrand und schüttelte fassungslos den Kopf. Erst, als er Tobias Rau und Sebastian Deisler austauschte und für sie Bastian Schweinsteiger und Willy Sagnol brachte, wurden die Münchner in der Abwehr sicherer und in der Mitte etwas zielstrebiger. Durch Schweinsteiger unterstützt, nahm vor allem Claudio Pizarro das Heft des Handelns in die Hand: Der Peruaner rackerte enorm und holte sich viele Bälle aus dem Mittelfeld. Es passte, dass Pizarro in der 49. Minute zum 2:3 traf. Er hätte zum Mann des Tages werden können, doch Schiedsrichter Jürgen Aust nahm ihm seinen Treffer zum 3:3 in der 67. Minute weg. Er erkannte auf Handspiel. „Uns wurde ein reguläres Tor gestohlen“, sagte Hitzfeld dazu.

Während Hannover nun nur noch reagierte und die zuvor überragenden Stajner, Krupnikovic und Simak langsam die Kräfte verließen oder ausgewechselt wurden, vertrauten die Bayern auf ihre Klasse und kamen durch Zé Roberto und Pizarro zu guten Chancen. Und als die Zuschauer, so sie es mit Hannover hielten, schon standen und den Sieg feiern wollten, kam, traf und jubelte Hargreaves.

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