Sport : Wie Erdbeeren mit Sahnehering

Experiment gescheitert: Nur wenige Zuschauer beim Hallen-Beachvolleyball in Hohenschönhausen

Frank Bachner

Berlin - Direkt hinter den weiß lackierten Heizkörperrippen, beim Blick durch die Panoramascheibe, ist der Winter ganz nah. Die großen Eisflächen auf dem Parkplatz der Haupthalle im Sportforum Hohenschönhausen sind von einer dünnen Schneedecke überzogen, zwischen den Autos balancieren Menschen in Wintermänteln mit ihren Händen, um nicht auszurutschen. Es ist Sonntagnachmittag, es ist ziemlich kalt.

Andererseits ist es leicht, karibisches Gefühl zu spüren. Man muss sich nur umdrehen und zehn Meter gehen. Dann steht man neben Strandkörben, Sonnenschirmen und Topfpalmen, hört dröhnende Samba-Rhythmen, die ein DJ auflegt, sieht neun Tänzerinnen in Bikinis, die im Sand tanzen, dass ihre Haare fliegen. Es ist sommerlich warm, es ist gerade Pause beim Nations-Turnier im Hallen-Beachvolleyball.

Sieben der zehn besten Beachvolleyballer der Weltrangliste sind hier, alle aus Europa, nur drei Brasilianer fehlen. Es ist das größte Hallen-Beachvolleyball-Turnier Europas, die Teams treten als Nationalmannschaften an, eine Art Daviscup der Sandspezialisten. Sowohl bei den Männern als auch bei den Frauen gewann Deutschland.

Hella Jurich hat ein Handtuch um die Hüften geknotet, mit Rieke Brink-Abeler bildet sie eines der deutschen Duos, jetzt sagt sie: „Das macht riesig Spaß hier. Ich bin es ja gewohnt, im Winter in der Halle zu trainieren.“ Markus Dieckmann, einer der besten deutschen Beacher und hier mit Eric Koreng am Start, hat zwei Bälle in der Hand und verkündet: „Es ist gut hier. Eine Abwechslung zum Winter-Training.“ Götz Moser sitzt im Vip-Raum auf einem hellblauen Sofa, er ist Vizepräsident des Deutschen Volleyball-Verbands (DVV) und sagt: „Die Zuschauerzahl ist enttäuschend.“

Am Freitag kamen 300 Zuschauer, am Samstag 800, am Ende werden es insgesamt rund 2500 sein. Moser hatte mit 6000 gerechnet. Der DVV hat den Nationscup mit der Vermarktungsagentur GSM veranstaltet, es ist quasi ein Einladungsturnier. Und ein Experiment. „Wir wollen Beachvolleyball auch im Winter den Leuten nahe bringen“, sagt Moser.

Aber die Leute wollen nicht zum Beachvolleyball in der Halle. Jedenfalls nicht in Berlin. Bei der Premiere des Cups, 2005 in Braunschweig, kamen 3000 Leute. Doch da dauerte der Wettbewerb nur einen Tag. In Berlin haben die Veranstalter extra eine Zusatz-Tribüne aufgebaut, für 6000 Euro. Die ist selbst bei den Finals nur halb besetzt. Und weil auch viele der fest installierten, abgewetzten Holz-Klappstühle unbesetzt sind, ist es schwer, Karibik-Atmosphäre zu verinnerlichen. Wer nicht bloß auf den Sand starrt, sieht graue Wände, schäbiges Parkett, die alte Anzeigetafel mit der riesigen, altmodischen Uhr. Es ist wie Erdbeereis mit Sahnehering.

Aber Beach-Volleyball lebt vom Gefühl, von Sommer, Sonne, von Gedanken an Cocktails und Party. „Ja klar, es ist schade, dass so wenige Leute da sind. In einer vollen Halle wäre die Atmosphäre schon besser“, sagt Hella Jurich.

Vor allem aber kostet es Eintritt. Zwölf Euro für Sonntag, 22 Euro für eine Drei-Tages-Karte. Das jedoch passt nicht zu Beach-Volleyball. Die Fans sind freien Eintritt gewohnt. „Es ist schon teuer“, gibt Moser zu. Er denkt, dass die Preise einer der Gründe für die geringe Zuschauerzahlen sind. Und mehr Werbung hätte man auch machen können.

Aber der Cup kostet 230 000 Euro. Allein 10 000 Euro verschlang – neben den Ausgaben für den Statiker – die Installation der 360 Stützen im Keller, mit denen der Hallenboden abgesichert wurde. Auf den wurden schließlich 400 Tonnen Sand gekippt. Der Senat steuert nach Mosers Angaben 130 000 Euro bei. „Das ist eine Fehlbedarfsfinanzierung“, sagt er. Läge der Gewinn des Cups über 130 000 Euro, bekäme der Senat die Differenz zurück. Sponsoren überweisen rund 80 000 Euro, der Rest sollte aus Zuschauereinnahmen kommen.

Der DVV ist zwar Mitveranstalter, aber das finanzielle Risiko trägt allein die Agentur GSM. Christian Scholbrock, Geschäftsführer der GSM, ist zwar „etwas überrascht“ von den Zuschauerzahlen, „aber die roten Zahlen sind nicht das Thema“. Es gehe um eine Strategie. „Wir stehen am Anfang einer Entwicklung. Hallen-Beach-Volleyball ist eine Marktlücke. Wir wollen da weitermachen.“ Fraglich ist nur, ob Berlin noch bei dieser Entwicklung berücksichtigt wird. „Es ist nicht unbedingt sicher, dass wir nächstes Jahr hierher kommen“, sagt Scholbrock.

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