Sport : Wie es leuchtet

Der Winter kann kommen: In Hamburg unterstützt der deutsche Sport Münchens Bewerbung

Friedhard Teuffel[Hamburg]

Zu gewinnen gab es eigentlich nichts, es war eher die erste gemeinsame Aufwärmübung für ein fernes Ziel. Der deutsche Sport hat gestern seine Beweglichkeit getestet und seine Kraftreserven. Ob er überhaupt noch in der Lage ist, sich auf einen der wenigen wirklichen Großaufträge des Sports einzulassen: Olympische Winterspiele. Thomas Bach, der Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB), stimmte die Teilnehmer nicht auf einen Wettkampf ein, sondern forderte sie nur auf, sich locker zu machen: „Zeigen Sie Ihre Unterstützung nicht nur mit der Stimmkarte.“ Mit der Stimmkarte hat das perfekt geklappt. Einstimmig beschloss die Mitgliederversammlung des DOSB, sich mit München um die Olympischen Winterspiele 2018 zu bewerben. Es wurde nicht gestritten, nicht einmal genörgelt. Der anschließende Beifall hielt drei, vier Minuten an, dann wurde freundlich zum Gruppenfoto aufgerufen.

Es war ein bisschen zu routiniert, um wirklich feierlich zu wirken. Das hat sicher mehrere Gründe: 2018 ist fern, allein noch drei Sommer- und zwei Winterspiele finden bis dahin statt. Das Internationale Olympische Komitee vergibt die Spiele erst 2011. Die Gegner sind auch noch nicht bekannt, möglicherweise Norwegen mit Tromsö, die USA mit Reno und Südkorea mit Pyeongchang. Und dann war es auch ein wenig kühl in der Hamburger Handelskammer. Vielleicht war das ein Gruß der Hamburger an das Präsidium des DOSB. Auch Hamburg hatte die Spiele gewollt, aber warme, im Sommer in seiner Hafen-City. Aber die Führung des deutschen Sports schätzte die Erfolgsaussichten einer sommerlichen Bewerbung als gering ein, „und zwar einmütig“, wie Präsident Bach betonte. Nun kann also der Winter kommen.

Schnee und Eis haben die Münchner Planer dabei in ihrem Konzept ordentlich voneinander getrennt, und das sieht so aus: München mit seinem Olympiapark wird das Zentrum der Spiele werden, mit dem Olympiastadion als Austragungsort für Eröffnungs- und Schlussfeier, einem großen olympischen Dorf und dem Medienzentrum in der Messe. Fast alle Eissportarten finden in München statt: Eishockey, Eisschnelllaufen, Eiskunstlaufen, Shorttrack und Curling. München ist in der Sprache der Planer das Eis-Cluster. Das Schnee-Cluster ist Garmisch-Partenkirchen als Austragungsort für alle alpinen und nordischen Wettbewerbe von der Abfahrt bis zum Skispringen auf der neuen Großschanze, die am 21. Dezember dieses Jahres eröffnet wird. Dazu kommt noch die Rodelbahn in Schönau am Königssee, wo Bobfahrer, Rodler und Skeleton-Fahrer ihre Sieger ermitteln.

Dieses Konzept schien die Landessportbünde und Spitzenverbände überzeugt zu haben, Fragen gab es keine. Die Münchner hatten auch gleich gezeigt, dass sie aus den letzten zwei deutschen Olympiabewerbungen gelernt haben. Die der Berliner um die Sommerspiele 2000 war an Unseriosität und Großmäuligkeit gescheitert. München gab sich gestern bescheiden. Die Leipziger Bewerbung um die Sommerspiele 2012 hatte einfach den Makel, zu klein zu sein im Rennen der Metropolen. Da reichte gestern der Verweis auf Münchens 67 000 Hotelbetten.

Vor allem aber wollten die Münchner am Samstag in Hamburg schon einmal eine kleine Geschichte erzählen. „München 2018 – die Spiele im Herzen“, lautete der Titel. Oberbürgermeister Christian Ude berichtete von 80 Prozent Zustimmung in der Bevölkerung, Bayerns Ministerpräsident Günther Beckstein wünschte sich für Deutschland 2018 ein Wintermärchen und sagte: „Es ist unbestreitbar, dass in keinem anderen Land die Begeisterung für den Wintersport so groß ist.“ Die Geschichte der Münchner Spiele handelt jedoch noch viel von der Vergangenheit. Vom Anknüpfen an die bis zum Terroranschlag heiteren Sommerspiele 1972 und von der Wintersporttradition. Passend dazu stand vor der Abstimmung die Ski-Olympiasiegerin von 1976 Rosi Mittermaier auf der Bühne und rief den Delegierten „bitte, bitte, bitte“ zu. Für ein Erfolgserlebnis auf nationaler Ebene hat das noch gereicht.

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