Sport : Wie früher mit Jordan

Die Bulls zählen wieder zu den besten NBA-Teams

Benedikt Voigt

Berlin - Am Ende umarmten die Basketballprofis der Miami Heat diejenigen, die gerade ihre Saison vorzeitig beendet hatten. „Sie sagten uns: Geht raus und holt euch den Titel“, erzählte Chris Duhon von den Chicago Bulls der Zeitung „Chicago Sun-Times“. Auch Miamis Trainer Pat Riley sagte: „Chicago kann sehr weit kommen.“ Ein schönes Kompliment, vor allem wenn es vom amtierenden Meister stammt.

Die Chicago Bulls gehören wieder zu den großen Teams der nordamerikanischen Profiliga NBA. Erstmals seit 1998 hat der Klub wieder eine Play- off-Serie gewonnen. Damals hatte ein gewisser Michael Jordan die Bulls zur sechsten Meisterschaft geworfen. Doch mit dem Weggang des Basketball-Superstars versanken die Bulls in den Niederungen der Liga, in der Saison 2000/01 stellten sie sogar das schlechteste Team der NBA. Eine Zeit, die heute bereits wieder längst vergangen scheint.

In beeindruckender Manier haben die Chicago Bulls den amtierenden Meister Miami mit 4:0-Siegen aus den Play-offs geworfen. Nie zuvor ist ein NBA-Champion in den Play-offs ausgeschieden, ohne ein Spiel zu gewinnen. Doch die Mannschaft von Trainer Scott Skiles ließ Miamis Superstars Dwayne Wade und Shaquille O’Neal, die beide in der regulären Saison mit Verletzungsproblemen kämpften, letztlich keine Chance. Nun trifft es im Conference-Halbfinale auf die Detroit Pistons, das beste Team des Ostens nach der Hauptrunde.

Die Pistons machten mit Orlando Magic kurzen Prozess und gewannen ebenfalls mit 4:0-Siegen. Ein solches Ergebnis hätten die Dallas Mavericks sicherlich auch gerne vorzuweisen, stattdessen kämpfte das Team von Dirk Nowitzki gestern Nacht in heimischer Halle gegen das Ausscheiden (nach Redaktionsschluss beendet). Das beste Team der Hauptrunde liegt völlig überraschend gegen die Golden State Warriors, die sich erst am letzten Spieltag für die Play-offs qualifiziert haben, mit 1:3-Siegen zurück.

Auch in der Serie zwischen Chicago und Detroit ist eine Überraschung möglich. Vor der Saison hat Bulls-Manager John Paxson für 60 Millionen Dollar Detroits Centerspieler Ben Wallace abgeworben, der nun gegen seine altes Team besonders motiviert sein dürfte. Überhaupt ist Paxson für die neuen Erfolge der Bulls verantwortlich. Der 46-Jährige, der als Spieler mit den Bulls dreimal Meister geworden ist, hat den Kern der aktuellen Erfolgsmannschaft verpflichtet: Ben Gordon, Kirk Hinrich, Chris Duhon und den Argentinier Andres Nocioni. Während dieser Saison hatte er die Möglichkeit Luol Deng gegen den Spanier Pau Gasol von den Memphis Grizzlies einzutauschen. Er ließ es sein, weil er sein junges Team nicht verändern wollte. Ein Schachzug, der sich jetzt als richtig erwiesen hat. Luol Deng ist in den Play-offs mit durchschnittlich 26,3 Punkten erfolgreichster Werfer der Bulls. Nach dem Sieg über Miami sagte eine junge Frau in Chicago: „Es erinnert mich an die alten Jordan-Zeiten.“ Das ist das schönste Kompliment, das man den Bulls machen kann.

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