Sport : Wie gelähmt im Abstiegskampf: Hansa beim 1:4 gegen den VfB

Markus Hesselmann

Wollten die Herren erst einmal schauen, ob sich ihre Arbeit überhaupt noch lohnt? Auf dem nackten Beton des steil aufragenden ersten Eckstücks des neuen Ostseestadions saßen vier Bauarbeiter in der Sonne und sahen dem letzten Heimspiel des abstiegsgefährdeten Bundesligisten FC Hansa Rostock in dieser Saison zu. Was die Fußballer boten, wird die Handwerker kaum zu Sonderschichten ermutigt haben: 1:4 unterlag Hansa am Sonnabend gegen den VfB Stuttgart. Es wird immer wahrscheinlicher, dass in Rostock Deutschlands schönstes und teuerstes Zweitligastadion entsteht. Um das zu verhindern, und dabei nicht auf eine Niederlage des Konkurrenten Ulm in Frankfurt angewiesen zu sein, muss Hansa ausgerechnet am letzten Spieltag schaffen, was in der gesamten Saison nicht gelang: einen Auswärtssieg, am Sonnabend, auf Schalke.

Im Vergleich mit den locker und offensiv aufspielenden Stuttgartern wirkten die Rostocker, als hätten sie selbst zwei Wochen beim Stadion-Bau geschuftet und bräuchten nun Ruhe. Tatsächlich hatten sich die Rostocker härter und länger vorbereitet als sonst. Das Pokalfinale brachte ein spielfreies Wochenende, das abschließende Trainingslager wurde auf zwei Tage ausgedehnt. Umso bitterer, wenn dann im Ernstfall schon nach fünf Minuten alles zusammenbricht. "Wir waren wie gelähmt", sagt Spielmacher Christian Brand, der sich das Spiel bis zur 60. Minute von der Ersatzbank aus anschauen musste. Zachhuber hatte Matthias Breitkreutz bevorzugt, der mit einem der vielen, für Hansa typischen Ballverluste im Mittelfeld das 0:1 mitverschuldete. Doch nicht nur das Mittelfeld enttäuschte. Die Abwehr glich einer Baustelle. Benken, Weilandt und Zallmann sahen oft aus wie Handwerker bei der Tarifpause.

Trotz der Demütigung am vorletzten Spieltag glaubt Zachhuber noch an die Rettung. "Wir haben es auch im letzten Jahr beim VfL Bochum in letzter Minute geschafft." Das Wunder von Bochum soll diesmal in Gelsenkirchen stattfinden.

Und wenn es schief geht, was wird dann aus den großen Plänen des einzigen Bundesligisten aus den neuen Bundesländern? "Natürlich ist es günstiger, ein neues Stadion in der Ersten Bundesliga zu vermarkten", sagt Helmut Hergesell, Hansa-Altstar und Geschäftsführer der Ostseestadion GmbH & Co. KG. Auch ohne Ausfallbürgschaft der öffentlichen Hand soll die Finanzierung des 55 Millionen Mark teuren Projekts stehen - selbst für die Zweite Liga. Das sollen je zehn Millionen Mark Zuschüsse von der Stadt Rostock und vom Land Mecklenburg sowie ein bis zu 50 Millionen Mark Einnahmen versprechender Vertrag mit der Deutschen Städte-Reklame sichern. Deren Geschäftsführung hatte schon bei der Vorstellung des Projekts betont, dass ein Abstieg den Stadionneubau nicht gefährdet. Das wäre, so die Marketing-Manager, "dann nur ein Betriebsunfall".

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