Sport : Wie im Film

Anne Poleska holt Bronze über 200 m Brust – es ist die erste Einzelmedaille für die deutschen Schwimmer

Frank Bachner[Athen]

Auf der Anzeigentafel neben dem Pool tauchte als Zeit 2:23,37 Minuten auf, das bedeutete die Goldmedaille über 200 m Brust. Die Schwimmerin auf Bahn sechs schlug vor Freude die Hände vors Gesicht, stieß immer wieder die Fäuste in Richtung Himmel, drehte sich um ihre eigene Achse, tauchte ab, tauchte wieder auf, reckte wieder die Fäuste. Geschwommen hatte die Zeit die US-Amerikanerin Amanda Beard – auf Bahn vier. Im Wasser von Bahn sechs tobte Anne Poleska von der SG Essen. Sie feierte ihre Bronzemedaille, als hätte sie soeben das Rennen gewonnen.

Anne Poleska hatte nach 2:25,82 Minuten angeschlagen, das bedeutete neuen Deutschen Rekord, sie hatte ihre persönliche Bestzeit um eine halbe Sekunde gesteigert. Bronze für Anne Poleska aus Krefeld, das ist eine der großen Überraschungen dieser Schwimmwettbewerbe. Die zweite Medaille für die deutschen Schwimmer, und ganz bestimmt die am wenigsten erwartete. „Niemand hatte sie auf der Rechnung“, sagte Horst Melzer begeistert. Der Trainer betreut die 24-Jährige, wenn sie in Essen trainiert.

„Ich wollte es erst gar nicht glauben“, sagte Poleska. „Ich wollte vor allem Deutschen Rekord schwimmen. Schon dass ich das Finale erreicht habe, war ein Traum. Alles andere ist die Sahne darauf.“ In den letzten 24 Stunden „hatte ich das Rennen 150 000 Mal im Kopf durchgespielt. Und wenn etwas schief lief, habe ich den Film immer wieder zurückgespielt“.

Sie hätte den Film gerne mit Michael Lohberg durchgespielt, ihrem Trainer in Coral Springs, Florida. „Michael ist der beste Trainer, den ich haben kann. Ihm verdanke ich alles“, sagte die Marketing-Studentin. Anne Poleska lebt seit zweieinhalb Jahren in den USA, sie hat ein Stipendium von der Universität in Alabama, seit September 2003 aber trainiert sie, für ein Jahr, bei Lohberg. Der stammt wie Poleska aus Krefeld und betreut seit Jahren in Florida internationale Spitzenschwimmer aus aller Welt. „Diese Medaille ist zu 50 Prozent in den USA gemacht worden“, sagte Poleska. Nur kurz vor den Deutschen Meisterschaften und kurz vor den Olympischen Spielen ist sie nach Deutschland gekommen, dort wird sie dann von Melzer betreut.

In Athen ist Lohberg nicht da, sein Abstecher zu den Olympischen Spielen hatte sich kurzfristig zerschlagen. Aber er hat sich intensiv mit Melzer abgestimmt. Und Poleska hatte für dieses Rennen nur eine Taktik. Sie wollte „auf den letzten 50 Metern später sterben als die anderen“. Ihr gingen zumindest später als Masami Tanaka die Kräfte aus. Die Japanerin wurde Vierte.

Seine vierte Goldmedaille gewann der US-Amerikaner Michael Phelps. Der neue Superstar der USA setzte sich in 1:57,14 Minuten erwartungsgemäß über 200 m Lagen durch. Kurios endete das Rennen über 200 m Rücken. Aaron Peirsol (USA), der in 1:54,95 Minuten klar gewonnen hatte, wurde erst wegen eines technischen Fehlers disqualifiziert, dann wurde die Disqualifikation wegen eines Verfahrensfehlers zurückgezogen. In der Zwischenzeit aber hatte der Zweitplatzierte, der Österreicher Markus Rogan, erklärt, er werde die Goldmedaille nicht annehmen. „Peirsol ist mein bester Freund“, sagte Rogan. „Ich kann ihn nicht leiden sehen.“

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