Sport : Wie in der Werbung

Eisbären rehabilitieren sich mit einem 4:0 gegen Ingolstadt

Claus Vetter

Berlin. Die neueste Werbekampagne des EHC Eisbären ist nicht schlecht. Auf großflächigen Plakaten buhlt der Klub aus der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) seit Neustem in Berlin mit dem Slogan „Verpassen Sie nicht das beste Drittel Ihres Lebens“ um neue Kundschaft. Natürlich, dieser Spruch, der wirkte aus Sicht der Berliner vor ein paar Tagen ein wenig deplatziert – freundlich formuliert. Denn am Sonntag kassierte der Tabellenführer der DEL beim Tabellenletzten Freiburg eine peinliche 5:10-Niederlage und erlebte dabei seine schlimmsten drei Drittel der Saison. Angesichts dieser Vorgeschichte war klar, dass die Eisbären gestern im Sportforum gegen den ERC Ingolstadt ein bisschen mehr als zuletzt zeigen mussten. Und das taten sie, vor allem im kämpferischen Bereich. Resultat war schließlich ein verdienter 4:0 (1:0, 3:0, 0:0)-Erfolg gegen Ingolstadt.

Das Spiel begann für die 5000 Zuschauer mit einer Überraschung. Und für die war Pierre Pagé verantwortlich. Der Trainer des EHC Eisbären war nach der Schmach von Freiburg mit einigen seiner erfahrenen nordamerikanischen Starspieler unzufrieden. Und zwar richtig unzufrieden. Und des Trainers Zorn spiegelte sich in der gestrigen Aufstellung wider: In der ersten Sturmreihe agierten neben dem 20-jährigen Alexander Barta die beiden 18-jährigen Florian Busch und André Rankel. Die Berliner Startformation war durchaus keine kurzlebige Angelegenheit von Pagé. Seine jungen deutschen Spieler bekamen gestern ausgedehnte Einsatzzeiten – selbst im Überzahlspiel.

Es war ein emotional geführtes Spiel der Eisbären, die Berliner kämpften sich besonders im ersten Drittel durch wie schon lange nicht mehr. Dabei verlief der Auftakt fast genauso wie beim 5:10 in Freiburg: Schon nach 51 Sekunden hatte Florian Keller die Berliner in Führung gebracht. Am Sonntag hatte Keller das 1:0 eine Sekunde später erzielt. Diesmal allerdings erfolgte einem frühen Berliner Führungstor nicht der kollektive Einbruch. Es sah zwar anfangs zwar nicht immer schön aus, wie die ersatzgeschwächten Berliner dem Gegner entgegentraten, angesichts der angespannten Personalsituation bei den Eisbären war es aber vertretbar. Doch es wurde im zweiten Drittel aus Berliner Sicht besser. Ein gelungenes Solo des unglaublich agilen U-19-Nationalspielers André Rankel führte zum zweiten Berliner Tor. Und nachdem Alexander Barta – Rankels Partner in der ersten Sturmreihe – das 3:0 erzielt hatte, war die Entscheidung gefallen. Mit Rob Leask schoss dann schließlich der vierte deutsche Spieler das vierte Berliner. Strenggenommen. Denn schließlich ist der gebürtige Kanadier seit einigen Monaten deutscher Nationalspieler.

Das 4:0 schummelten die Eisbären dann durch ein eher belangloses letztes Drittel, das sicher nicht das beste ihres Lebens war. Der Sieg allerdings war nicht zu hoch ausgefallen – auch dank eines herausragenden Oliver Jonas im Berliner Tor. Der Nationaltorhüter kam zurecht zu seinem Shut-out, also einem Spiel ohne Gegentreffer. Wie viel Substanz der gestrige Kraftakt Jonas und Kollegen allerdings gekostet hat, wird sich zeigen: Schon am 2. Januar empfangen die Eisbären die Hannover Scorpions und zwei Tage später müssen sie dann zu den Mannheimer Adlern.

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