• Wie Luise Malzahn Olympia-Bronze verlor: Judo: Würgen, bis dem Gegner schwarz wird

Wie Luise Malzahn Olympia-Bronze verlor : Judo: Würgen, bis dem Gegner schwarz wird

Die olympische Bronzemedaille verlor Luise Malzahn, weil ihr buchstäblich die Luft wegblieb. was es mit Würgegriffen im Judo auf sich hat.

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Moment der Entscheidung: Erst lief Luise Malzahn rot an, dann beendete der Kampfrichter das Duell.
Moment der Entscheidung: Erst lief Luise Malzahn rot an, dann beendete der Kampfrichter das Duell.Foto: dpa

Manchen Sportlern geht einfach die Puste aus, Luise Malzahn aus Halle an der Saale dagegen wurde sie buchstäblich abgeschnitten. Im olympischen Judokampf um Bronze bis 78 Kilo lag sie am Boden, als ihre Gegnerin Anamari Velensek aus Slowenien eine Würgetechnik ansetzte. Malzahn wehrte sich, so gut sie konnte, doch irgendwann hatte ihre Kontrahentin sie im Griff. Malzahn lief allmählich rot an und sackte zusammen. Da beendete der Kampfrichter das Duell. „Der Kampfrichter hat die Situation vor dem Würgegriff gefühlt hundert Jahre laufen lassen, dann ist sie umgestiegen zu meinem Hals. Als ich dann irgendwann wieder zu mir gekommen bin, wusste ich: Das war's dann wohl“, sagte sie. Ein Würgegriff ist eine Methode, um die Blutzufuhr zum Gehirn einzuschränken und den Gegner so zur Aufgabe zu zwingen. Judo hat das Selbstverständnis, eine sanfte Form der Selbstverteidigung zu sein. Eine Würgetechnik ist daher nur mit Einschränkungen erlaubt. Der Kehlkopf darf nicht angegriffen und mit den Fingern nicht zugedrückt werden. Würgegriffe kommen nicht so oft vor, derzeit aber wieder etwas häufiger. Das liege daran, dass einige Wurftechniken aus der Wertung genommen wurden und der Bodenkampf an Bedeutung gewonnen hat, sagt Falk Scherf vom Judo-Verband Berlin. Im Gegensatz zu einem Haltegriff, bei dem es in der Regel nach zehn gehaltenen Sekunden eine kleine Wertung und nach zwanzig Sekunden den Sieg gibt, geht es beim Würgegriff nicht um eine bestimmte Zeit. Mit einem Klopfen auf die Matte hätte Luise Malzahn den Kampf übrigens aufgeben können. Doch das schaffte sie wohl nicht mehr – deshalb schritt der Kampfrichter ein.

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