Sport : Wie man sich gegenseitig verunsichert

Hamburg und Gladbach quälen sich zum 1:1

Stefan Hermanns[Hamburg]

Oliver Neuville schien eine fette Beute zu winken. Peter Pander, der Manager von Borussia Mönchengladbach, schlug dem Stürmer auf die Schulter, und weil Pander ein paar Geldscheine in der Hand hielt, sah es so aus, als wolle er gleich an Ort und Stelle eine Sonderprämie auszahlen. Die hätte sich der Nationalspieler mit seiner einzigen guten Aktion im ganzen Spiel auch verdient: Sieben Minuten vor Schluss hatte Neuville ein Zuspiel des eingewechselten David Degen vom Fünfmetereck zum 1:1-Endstand ins Tor des Hamburger SV geschossen und den Gladbachern damit im sechsten Auswärtsspiel dieser Saison den ersten Punkt beschert. Für den HSV aber geht das Leiden erst einmal weiter. „Da kommt die auswärtsschwächste Mannschaft der Liga, wir führen 1:0 und bringen das nicht nach Hause“, sagte Bernd Hoffmann, der Vorstandschef des HSV. „Das ist lausig.“

Es war eine gnädige Fügung, dass Hamburg und Gladbach an diesem Spieltag aufeinander trafen. Einen besseren Krisenbewältigungsgegner hätte es gar nicht geben können – für beide Mannschaften nicht. Welche die verunsichertere war, konnte nicht abschließend geklärt werden. „Gladbach ist keine Super- Mannschaft“, sagte Hamburgs Kapitän Rafael van der Vaart. Jupp Heynckes, Gladbachs Trainer, mäkelte: „Auch in unserer Situation muss man so ein Spiel gewinnen.“ Seine Mannschaft hatte fünf Spiele hintereinander verloren, dreimal hintereinander kein Tor erzielt. Warum das so ist, war auch in Hamburg gut zu sehen.

Die Gladbacher haben die Kunst entwickelt, Konter mit negativem Raumgewinn abzuschließen; das Spiel zogen sie so lange in die Breite, bis es riss, und weil auch der HSV lange ein ähnliches Design wählte, entstand ein weitgehend grausiges Gesamtbild. In der 45. Minute gab es die erste Ecke des Spiels. Hamburgs Trainer Thomas Doll ärgerte sich über „wenig Bewegung in unserem Spiel, wenige Aktionen“. Die beste brachte in der 66. Minute die Führung, als Atouba zwei Gladbacher abschüttelte und Ljuboja seine Hereingabe mit der Hacke ins Tor verlängerte. Sicherheit brachte das 1:0 den Hamburgern allerdings nicht.

„Wir werfen zurzeit Punkte leichtfertig weg“, sagte Doll. Geblieben sind ihm nach zwölf Spielen gerade mal zehn. Trotzdem hat sich an der Situation des Trainers nichts geändert: Von den Fans wird er gefeiert und von der sportlichen Leitung gestützt. „Doll hat einen Vertrag, und den erfüllt er“, sagte Bernd Hoffmann. „Er bleibt unser Trainer, nicht nur die nächsten Wochen, sondern die nächsten Jahre.“

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