Sport : Wie Michael Komma die Capitals in die Play-offs führt

Claus Vetter

Zwei Drittel der Hauptrunde sind in der Deutschen Eishockey Liga (DEL) absolviert, und an der Jafféstraße darf man sich so langsam damit anfreunden, dass die Play-offs mit den Capitals stattfinden. Nach zweijähriger Abstinenz wäre dies ein großer Erfolg für die Berliner. "Wir spielen gut vorne mit. Das wollten wir und das haben wir geschafft", stellt Michael Komma fest. Die Zwischenbilanz fällt dem Trainer leicht. "Ich denke, dass wir vieles nicht schlecht gemacht haben, auch wenn wir manchmal das Glück auf unserer Seite hatten."

Viele Partien habe seine Mannschaft denkbar knapp gewonnen, einige sogar erst im Penaltyschießen. "Aber da sag ich den Spielern immer, wer oft knapp gewinnt, das ist auf Dauer nicht der Glücklichere, sondern derjenige, der geduldig seinem System die Treue hält." Dies hätten seine Spieler auch am Dienstag gegen Schwenningen beherzigt, der Erfolg im Penaltyschießen sei der Lohn gewesen. "Wenn du ein Heimspiel hast und es im letzten Drittel Unentschieden steht, dann sagen sich viele andere Mannschaften, dass es mit aller Gewalt nach vorne gehen muss. Wir hingegen spielen geduldig zu Ende haben dann oft das Glück, was schließlich kein Glück ist", sagt der Trainer.

Nach dem großen Kehraus in Folge der völlig missratenen Saison 1998/99 haben die Capitals mit der Mannschaft des Vorjahres quasi nur noch den Vereinsnamen gemein (und auch den haben sie durch den Zusatz "die Preussen" ein wenig verändert). Mit 15 neuen Spielern kam auch der Erfolg zurück an die Jafféstraße. Von den wenigen Spielern, die aus der vergangenen Saison noch bei den Capitals unter Vertrag stehen, sticht derzeit eigentlich nur der elegante Mittelstürmer Heinz Ehlers hervor. Der Däne spielt unter Komma so gut wie noch nie in seinen drei Berliner Jahren. Und sonst? Die Verteidiger Johan Norgren und Larry Rucchin erledigen ihren Job ordentlich, ähnliches gilt für die Stürmer Alex Kuzminski, Sylvain Couturier und Rob Guillet.

Doch, und dies scheint auch ein Geheimnis des Aufstieges der Capitals, sie haben sich mit ihrer - teilweise doch neuen - Rolle zurechtgefunden. Auch wenn das nicht einfach sein mag, wie etwa im Falle Guillet. In der letzten Saison war der Franko-Kanadier noch der Topscorer bei den Berlinern, in dieser Spielzeit dürfen neue Spieler wie Thomas Sjögren oder Verteidiger Greg Johnston am häufigsten jubeln. "Auch wenn ich nicht mehr die meisten Scorerpunkte hole", sagt Guillet, "macht es mir mehr Spaß als im letzten Jahr. Es ist doch besser, wenn du nicht allein unter Druck stehst, sondern die Aufgabe des Toreschießens auf viele Schultern verteilt ist."

Trotzdem, wenn es eng wird, dann vertraut Michael Komma auf einige wenige. So beenden die Capitals kaum ein Spiel mit vier Sturmreihen. Ein Substanzverlust ist daher bei vielen Akteuren wohl unumgänglich, auch wenn es am Einsatzwillen nicht mangelt. Wie etwa bei Jim Hiller, der sich seit Wochen mit einer lädierten Leiste herumplagt. Zehn Schichten war der Stürmer gegen Schwenningen auf dem Eis, nach dem Spiel hatte er wieder Schmerzen. "Das ist nach so einer Belastung normal, am Freitag geht es bestimmt wieder", meint Hiller.

Solche Sätze hört Michael Komma vor dem heutigen Spiel gegen die Nürnberg Ice Tigers (20 Uhr, Jafféstraße) gerne. Zurücklehnen gilt nicht, auch wenn es inzwischen einem Wunder gleich käme, sollten die Berliner noch aus den ersten acht Rängen verschwinden. "Es wäre ja auch nicht schlecht, wenn wir am Ende nicht auf Platz acht oder sieben, sondern ein wenig besser dastehen würden." Hoppla, fast zu weit hervorgewagt - also schnell den vorsichtigen Nachsatz hinterher geschoben. "Auch mit Platz acht wären wir im Soll, sagt Komma, denn: "Unser Ziel ist nicht die Meisterschaft, sondern die Chance, um die Meisterschaft mitspielen zu können".

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