Sport : Wie Möller Hertha mutig werden ließ

MICHAEL ROSENTRITT

BERLIN .Die deutsche Fußballwelt kennt die Gesichtsausdrücke des Andreas Möller.Keiner kann so leiden wie er.Selbst dann, wenn ihm keiner etwas getan hat.Das Herzstück Dortmunder Fußballkunst taumelte mal wieder zwischen Mimose und Memme, und mit ihm die Borussia, was Hertha BSC am Sonnabend nachmittag sehr entgegen kam.3:0 schlugen die Berliner den einstigen Deutschen Meister, Champions-League-Sieger und Weltpokalgewinner, der jetzt "wieder etwas unter Druck gerät", wie Michael Skibbe sagte.

Für den Trainer des westfälischen Fußball-Riesen war die Niederlage "ein herber Rückschlag und eine große Enttäuschung".Daß der erst 33 Jahre alte Trainer seine alternden Stars weitgehend in Schutz nahm ("70 Minuten war ich absolut zufrieden"), sagt viel über das gegenwärtige Innenleben des einstigen Aushängeschildes der Bundesliga aus.Altmeister Jürgen Kohler sollte es vorbehalten bleiben, mit seiner Analyse der Wahrheit, die sich vor knapp 70 000 Menschen abspielte, etwas näherzukommen: "Nur wer ein Tor machen will, der trifft auch."

Die Berliner haben mit den Dortmundern, die in dieser Saison noch kein Auswärtsspiel gewinnen konnten, den Tabellenplatz getauscht und sind jetzt Fünfter."Wenn Wolfsburg sagt, wir wollen in den Europacup", sagte Andreas Neuendorf, "dann können wir das auch sagen." Dem jungen Neuendorf, der nach drei Minuten und einer schlimmen Verletzung Kjetil Rekdals (Haarriß im Wadenbein) einen starken Libero spielte, fallen solche Sätze noch leicht.Auch Neuzugang Ilija Aracic, der bei seiner Bundesliga-Premiere mit seinen Toren zum 1:0 und 2:0 für die Entscheidung sorgte, will mit Hertha in der nächsten Saison im UEFA-Cup spielen: "Wenn wir so weiterarbeiten, kommt das von allein." Jürgen Röber dagegen kennt das Geschäft etwas länger.Wenngleich Herthas Trainer weiß, daß Siege gegen einen direkten Mitbewerber im Kampf um einen UEFA-Cup-Platz doppelt zählen, will er das Saisonziel (einstelliger Tabellenplatz) noch nicht korrigieren: "Das können wir dann, wenn wir nach vier, fünf Spielen noch oben dran sind."

Der Sieg über Dortmund könnte wegweisend gewesen sein.Nach dem Spiel gegen Dortmund muß Hertha jetzt nach Gelsenkirchen, dann kommt der 1.FC Kaiserslautern.Das Gute an dieser Konstellation tritt aber erst dann ein, wenn man diese drei Spiele gut überstanden hat.Röber sprach von einer beflügelnden Wirkung.Also: Wer gut aus dem Winter kommt, im Frühling keinen Einbruch erleidet, wird im Sommer schöne Ferien haben.

Für Röber jedenfalls kam der frühere Weltpokalsieger gerade recht: "Dortmund hat eine sehr namhafte Mannschaft", sagte Röber, gegen die zu spielen es leichter ist, "wenn sie noch richtig im Lauf ist." Sicherlich lief bei den Berlinern auch noch nicht alles rund, doch die "bessere Einstellung" und der "größere Wille" gaben den Ausschlag.Nach der langen Winterpause "kannst du nicht einfach auf einen Knopf drücken und alles klappt", erklärte Röber.Vor dem Spiel hatte er seinen Spielern gesagt: "Heute gewinnt die Mannschaft, die schon einen Tick mehr freilegen kann."

Vor allem aber hatten die Berliner in Dariusz Wosz einen sehr agilen Mittelfeldregisseur.Während die Dortmunder Kreativabteilung um ihren Abteilungsleiter Möller und dessen Stellvertreter Lars Ricken im tiefen Boden des Olympiastadions steckenblieb, liefen Wosz und Tretschok zu Höchstform auf.Dariusz Wosz war überall, er suchte und gewann die Zweikämpfe, er verteilte die Bälle, arbeitete viel nach hinten und war an zwei Toren beteiligt."Einfach hervorragend", urteilte Röber über seine personifizierte Schaltzentrale.Vor den Augen Uli Stielikes hatte der Ex-Bochumer sein Pendant auf Dortmunder Seite, Andreas Möller, klar ausgestochen.Woraufhin Skibbe nur meinte: "Insgesamt konnte seine Leistung nicht überzeugen".Möller macht eben den Unterschied.

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