Sport : Wie schlägt man Brasilien?

Ohne Angst und mit schnellen Angriffen gegen die anfällige Innenverteidigung

Michael Rosentritt[Nürnberg]

Gerhard Mayer-Vorfelder ist viel rumgekommen als Fußballfunktionär. „Es ist ja nicht so, dass wir früher immer alle Großen geschlagen haben“, sagt der Präsident des Deutschen Fußball-Bundes, „gegen Brasilien haben wir doch das letzte Mal vor meiner Zeit gewonnen.“ Dazu muss man wissen, dass sich Mayer-Vorfelder bereits im achten Lebensjahrzehnt befindet. Was dem Funktionär wie eine Ewigkeit vorkommt, liegt elfeinhalb Jahre zurück. Im November 1993 siegte Deutschland 2:1 in Köln (siehe links).

Brasilien schlagen – wie stellt man das an? Urs Siegenthaler beantwortet die Frage mit einer Gegenfrage: „Überraschen können uns die Brasilianer nicht mehr, aber sie können besser sein. Die Ungewissheit für Samstag ist: Wie viel können die Brasilianer noch zulegen?“ Seit dem Frühjahr beobachtet der Schweizer im Auftrag von Bundestrainer Jürgen Klinsmann die potenziellen Gegner der deutschen Elf. Brasilien hat er gleich mehrmals inspiziert, auch vor zwei Wochen bei der 1:3-Niederlage in der WM-Qualifikation gegen Argentinien. „Die Brasilianer wackeln bedenklich in der Innenverteidigung“, sagt Siegenthaler.

Günter Netzer würde sich an der Herangehensweise der Mexikaner orientieren. Die schlugen den fünfmaligen Weltmeister mit einer taktischen Meisterleistung. „Man muss die Brasilianer in ihrem Kern treffen“, sagt Netzer. Die Mexikaner taten das, indem sie nicht zu früh und schon gar nicht unorganisiert die ballführenden Südamerikaner angriffen. Sie ließen sie kommen und verengten die Räume so geschickt, dass sich die Offensivwucht der Brasilianer nicht entwickeln konnte.

Ähnlich spielten die Japaner bei ihrem 2:2. Sie waren defensiv nicht ganz so wirkungsvoll wie die Mexikaner, die kein Gegentor zuließen, aber dafür griffen sie überfallartig an. „Wer gegen Brasilien zögerlich auftritt, hat verloren“, sagte Japans brasilianischer Trainer Zico. Diese Erkenntnis teilt auch die deutsche Delegation. „Wir müssen agieren. Wenn wir bei eigenen Angriffen das Tempo hochhalten, haben wir eine Chance“, sagt Teammanager Oliver Bierhoff.

Wäre nur noch zu klären, wie die deutsche Defensive Superstars wie Ronaldinho, Kaká oder Robinho möglichst weit vom eigenen Tor fern halten kann. Was er denn zu tun gedenke, wenn Robinho, der Erfinder des siebenfachen Übersteigers, vor ihm stünde, wurde Thomas Hitzlsperger gefragt. Der linke Außenverteidiger holte tief Luft und sagte: „Wenn das passiert, werde ich ganz ruhig bleiben.“ Gleichwohl wäre es nicht verkehrt, solche Situationen schon im Mittelfeld zu unterbinden. Noch hat Jürgen Klinsmann nicht festgelegt, ob er Torsten Frings einen zusätzlichen defensiven Mittelfeldspieler, etwa Fabian Ernst, zur Seite stellt. „Wir haben im Mittelfeld verschiedene Variationsmöglichkeiten“, sagt Klinsmann.

Gerhard Mayer-Vorfelder wird sich das Halbfinale im Nürnberger Frankenstadion mit „großer Gelassenheit“ ansehen. Die deutsche Mannschaft habe schon jetzt viele Sympathien gewonnen beim Confed-Cup. „Es wäre schön, auch die beiden noch ausstehenden Spiele zu gewinnen“, sagt der DFB-Präsident, „aber wichtiger ist, dass wir sie gut bestreiten.“

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