Sport : Wie sie feiern, wie sie jubeln

Real Madrid startet siegreich in die Saison – und Ronaldo genießt die Ovationen auf der Tribüne

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Von Harald Irnberger

Madrid. Den stärksten Applaus im Madrider Bernabeu-Stadion gab es wenige Minuten nach Beginn der zweiten Halbzeit. Und er galt nicht der Mannschaft von Real, die Espanyol Barcelona mit 2:0 abfertigte. Die Zuschauer empfingen vielmehr zwei Herren, die angeregt plaudernd aus der VIP-Lounge zu ihren Plätzen auf der Ehrentribüne zurückkehrten: Reals Ehrenpräsident Alfredo Di Stefano – und Ronaldo, der 25-jährige Stürmerstar aus Brasilien, der am Wochenende nach einem Verhandlungs-Thriller von Inter Mailand geholt worden war.

Der einträchtige Auftritt der Kicker-Legenden zweier Epochen hatte symbolischen Wert: Das scheinbar unwiederbringliche Real-Wunderteam der fünfziger Jahre mit Di Stefano, Puskas, Kopa, Gento und Rial könnte nun tatsächlich eine Neuauflage erfahren, nachdem sich zu Zidane, Figo, Raul und Roberto Carlos auch noch Ronaldo gesellt hat. Der soll in zwei Wochen erstmals im weißen Dress auflaufen.

Schon jetzt hat man in Madrid damit begonnen, die Ablöse von nominell 45 Millionen Euro – 35 Millionen plus ein Real-Spieler – wieder hereinzuholen. Ronaldo, der zuletzt in Mailand eine Gage von 12,6 Millionen Euro bezog, muss sich in Madrid mit einem Salär von 10 Millionen zufrieden geben. Zudem musste er die Rechte für die künftige Vermarktung seiner Person abseits des Spielfeldes an den Verein abtreten. Der teilt sich derlei Einnahmen dann mit dem Kicker. Ein gutes Geschäft für alle Beteiligten: Bereits am Montag bildeten sich beim Fanartikel-Laden lange Schlangen. Die erste Auflage der weißen Trikots mit der Nummer 11 und Ronaldos n war binnen weniger Minuten ausverkauft. Schon liegen aus aller Welt Bestellungen in sechsstelliger Stückzahl vor. Und das ist nur eine von etlichen Einnahmequellen. Der vereinseigene TV-Kanal verkaufte erste Interviews mit dem Neuzugang an Fernsehsender aller Kontinente.

Da erscheint es schon beinahe nebensächlich, ob der Kicker auch sportlich ein Erfolg wird. In dem Punkt ist sein Engagement nicht unumstritten. Noch während der Supercup-Siegesfeier in Monaco hatte Mannschaftskapitän Fernando Hierro bei Präsident Perez dagegen protestiert, dass zur Finanzierung des Ronaldo-Transfers der bisherige Real-Mittelstürmer Fernando Morientes an den FC Barcelona abgegeben werden sollte. Als der in Madrid bereits abgeschriebene Morientes am Montag für die letzten zehn Minuten auf das Spielfeld durfte, wurde er mit stürmischem Applaus empfangen – vom selben Publikum, das kurz zuvor Ronaldos Auftritt auf der Ehrentribüne begeistert bejubelt hatte. Die Logik des scheinbaren Widerspruchs: Die Fans freuen sich auf ein packendes Duell um den Platz an der Spitze des Real-Angriffs. Es bedarf somit nicht erst starker Gegner, damit in Madrid ab sofort für Spannung gesorgt ist.

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