Sport : „Wie Siegfried und Roy“

Borussia Dortmunds Geschäftsführer Niebaum und Meier werden hart von den Aktionären attackiert

Felix Meininghaus

Dortmund – Die Ankündigung klang angesichts der turbulenten Ereignisse vom Sonntag wie ein Stoßgebet: „Es wird sachlicher und weniger emotional zugehen“, sagte Michael Meier nach der Mitgliederversammlung. Der Manager von Borussia Dortmund war für die von ihm und dem inzwischen zurückgetretenen Präsidenten Gerd Niebaum zu verantwortende Misswirtschaft so hart attackiert worden, dass es dem knorrigen Meier die Tränen in die Augen getrieben hatte.

Gestern folgte Teil zwei des Tribunals, dem sich das Dortmunder Führungsduo stellen musste. Seit dem Börsengang im Oktober 2000 ist das BVB-Wertpapier vom damaligen Ausgabekurs von elf Euro auf 2,50 Euro abgestürzt. Die Aktionäre des hierzulande einzigen an der Börse notierten Fußballunternehmens verlangten von den beiden Geschäftsführern der GmbH KGaA Rechenschaft für die katastrophalen Zahlen. Schnell erwiesen sich Meiers Hoffnungen als frommer Wunsch, denn inhaltlich war die Abrechnung noch schonungsloser. Die Rede war von einem „Bild des Jammers“, von „Schreckenszahlen“, einer „desaströsen Informationspolitik“ – kurz: vom „absoluten Tiefpunkt“.

Die Mehrzahl der Redner sprach Niebaum und Meier jegliche Kompetenz zur Sanierung des mit 118 Millionen Euro verschuldeten Klubs ab. Weil die Versammlung die Geschäftsführer nicht abwählen kann, forderte Carsten Heyse von der Deutschen Schutzvereinigung der Wertpapierbesitzer Meier und Niebaum auf, freiwillig abzudanken. Stefan ten Doornkaat von der Schutzgemeinschaft der Kleinanleger wurde konkreter: „Machen Sie Platz für kompetentere Leute, Sie sind wie Siegfried und Roy der Bilanzen aufgetreten: Sie haben uns jahrelang vorgegaukelt, Sie hätten Gewinne gemacht.“

Doch Niebaum will nicht auch noch als Geschäftsführer zurücktreten. Stattdessen sprach er von „moralischer Pflicht“, „gelebter Verantwortung“ und davon, dass er „in Zukunft sehr solide wirtschaften“ möchte. Warum er erst jetzt zu dieser Erkenntnis gekommen ist, ließ er offen.

Großaktionär Florian Homm, der Niebaum zuletzt kritisiert hatte, stärkte ihm jedoch überraschend den Rücken. Mit seiner Ankündigung, bis Juli 2005 auf seine Bezüge zu verzichten, habe Niebaum „extreme Konsequenzen“ gezogen. Am Abend wurden Niebaum, Meier und der Aufsichtsrat mit je rund 90 Prozent der Mitgliederstimmen entlastet. Homm sprach beim derzeitigen Bild des BVB zwar von einer „absoluten Armutserklärung“, sagte jedoch, die Wende sei im Gang. Unter anderem durch die von ihm betriebene Installierung von Othmar von Diemar und Ruedi Baer im Aufsichtsrat. Beide seien, so sagte Homm, „mega-sanierungserfahren“.

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