Sport : Wie Tischtennis

11:0 bei WM war keine Werbung für Frauenfußball

Harald Maass[Schanghai]

Entschuldigungen für einen Sieg kommen nicht oft vor im Fußball. „Es war nicht unsere Schuld“, sagte Birgit Prinz nach dem Eröffnungsspiel der Frauenfußball-WM in Schanghai. Die Rekordtorjägerin vom 1. FFC Frankfurt entschuldigte sich nicht etwa für ungenutzte Chancen oder Fehler im Spiel. Im Gegenteil: Mit 11:0 – dem höchsten Ergebnis das jemals bei einer WM erzielt wurde – hatte das Team von Bundestrainerin Silvia Neid Argentinien überrannt. So sehr sich die Deutschen über den klaren Sieg freuten, so klangen an diesen Abend auch Zweifel mit. Ein zweistelliges Ergebnis bei einer Weltmeisterschaft, dass wissen Spieler und Funktionäre, ist nicht unbedingt Werbung für die Qualität des Frauenfußballs.

Auch die chinesischen Medien waren ob dieses hohen Ergebnisses überrascht. „11:0 – das ist kein Tischtennisspiel“, titelte die „Pekinger Morgenpost“. Andere Medien machten sich bereits Sorgen um die einheimische Mannschaft, die in China als „Rosen“-Team bekannt ist. „Die deutschen Panzer schockieren die chinesischen Rosen“, meldete die Internetseite Sohu.com.

Im deutschen Kader kam nach dem Spiel keine Feierlaune auf. „Alle waren sehr ruhig, die meisten hörten auf der Busfahrt zurück ins Hotel Musik“, berichtete Stürmerin Petra Wimbersky am Tag danach. Die elf Treffer seien zwar gut für das Torverhältnis, aber niemand überschätzte das Ergebnis. Dafür war das Niveau der Argentinierinnen einfach zu schlecht. In der Raumaufteilung, der Ballbeherrschung und auch körperlich waren die Südamerikanerinnen den Deutschen hoffnungslos unterlegen. „Als ich die Argentinier vorher in der Videoanalyse gesehen habe, bin ich schon erschrocken“, erzählt Verteidigerin Linda Bresonik.

Der Gegner hatte sich wohl keinen Gefallen getan, als er den amtierenden Weltmeister vor dem Spiel provozierte. Bei der Abfahrt vom Hotel zum Stadion hätten die Argentinierinnen im Bus getanzt und mit den Händen gegen die Scheiben geschlagen. Das habe sie „schon geärgert“, berichtet Stürmerin Sandra Smisek. „Ich kann gar nicht hingucken. Am liebsten zweistellig“, habe sie zu ihren Mannschaftskolleginnen im Bus gesagt. Dass es am Ende genau so kam, und Smisek einen Hattrick schaffte, überraschte sie dann doch.

Trotz der Fortschritte im Frauenfußball sind die Niveauunterschiede offenbar noch größer, als Spieler und Funktionäre es erwartet hatten. Das wird vor allem den Funktionären des Weltverbands Fifa zu denken geben. Dort plant man, die Zahl der teilnehmenden Mannschaften bei künftigen Weltmeisterschaften von derzeit 16 auf 24 zu erhöhen. 1991 in China und 1995 in Schweden, den beiden ersten Welttitelkämpfen der Frauen, hatten nur zwölf Teams teilgenommen.

In der deutschen Mannschaft sieht man diese Pläne, die zu einer weiteren Verwässerung des Niveaus führen würde, eher skeptisch. „Unter solchen Umständen sollte man eine Ausweitung der Teilnehmerzahl auf 24 Mannschaften gut überlegen“, sagte DFB-Präsident Theo Zwanziger. Ähnlich denken die Spielerinnen. „Es ist schon schöner, wenn man gegen gleichwertige Gegner spielt“, sagte Smisek. „Ich hoffe, dass andere Spiele nicht so ausfallen, weil es als Werbung für den Frauenfußball nicht gut ist.“ Das sieht auch Fifa-Präsident Joseph Blatter so. „Ich muss ehrlicherweise sagen, dass mir dieses Ergebnis gegen den Strich geht“, sagte er.

Ein Gegner, der diesen Namen auch verdient, soll am Freitag England sein. Die Engländerinnen werden den Deutschen wenig Raum lassen und ihr Spiel mit frühem Pressing stören. Wenn die deutschen Frauen gewinnen, hätten sie wirklich einen Grund zum Feiern.

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