Sport : Wie vor 40 Jahren

Helen Ruwald

Die letzten Sekunden liefen, und immer noch stand es auf der Anzeigetafel in der Ballsporthalle in Frankfurt-Höchst 0:0. Nur das Unwichtigste, die Zahl der Fouls nämlich, war sichtbar - aber weder der Spielstand noch die verbleibende Spielzeit. Gut nur, dass die Basketballer von Alba Berlin in den letzten drei Minuten einen so deutlichen Vorsprung gegen die Skyliners Frankfurt herausgeworfen hatten, dass sie zumindest eines wussten: Sie hatten gewonnen. 84:73 (38:40), doch das exakte Ergebnis mussten sich die Spieler erst von Trainer Emir Mutapcic und den Kollegen auf der Bank erzählen lassen.

Weil die Anzeigetafel von Anfang bis Ende ausfiel, spähten die 5024 Zuschauer immer wieder auf die große Videowand, wo die Live-Übertragung des DSF lief. Doch die eingeblendeten Zwischenstände waren so winzig, dass die Spieler auf dem Feld keine Chance hatten, sie zu erkennen. "Das war seltsam", sagt Derrick Phelps nach dem Arbeitssieg, "ich hatte kein Gefühl für Zeit und Spielstand. Ich habe immer wieder jemandem am Rand gefragt, wie es steht." Auch Jörg Lütcke hatte Probleme. "Selber beim Spielen die Punkte zu zählen, war unmöglich", erzählt er, "manchmal habe ich wenigstens die Durchsagen gehört." Der Hallensprecher ersetzte die Uhr, gab im Minutentakt oder häufiger die verbleibende Zeit an. Zweisprachig, damit auch die Ausländer in beiden Teams wussten, was die Sekunde geschlagen hatte. "Noch dreieinhalb Minuten, three minutes thirty seconds to go", tönte es etwa aus dem Lautsprecher.

Albas Trainer Emir Mutapcic erinnerte das Szenario an "Basketball wie vor 40 Jahren. Dadurch hat das Spiel an Qualität verloren." Die Frankfurter erwägen gar, Protest einzulegen. Die Entscheidung soll in den nächsten Tagen fallen. Schließlich hatten die Frankfurter, bis Samstagabend Tabellenführer der Basketball-Bundesliga, sich nach dem sensationellen Sieg gegen Euroleague-Sieger Kinder Bologna vorgenommen, den schwächelnden Meister zu stürzen. Doch Alba behielt in einem wenig spektakulären Spiel die Nerven. Nach drei Niederlagen aus den letzten vier Ligaspielen haben die Berliner gezeigt, dass mit ihnen wieder zu rechnen ist.

In der ersten Halbzeit hatte Frankfurt durch sechs erfolgreiche Dreipunktewürfe (von zehn) noch eine knappe Führung herausgeworfen. Doch in den letzten drei Minuten trafen die zunehmend nervösen Frankfurter wenig, die Berliner häufig, allen voran Wendell Alexis (26 Punkte) und Marko Pesic (20). Außerdem gewann Alba das Reboundduell klar mit 38:27. Centerspieler Dejan Koturovic wurde mit zehn Punkten und sieben Rebounds zur gewünschten Verstärkung. Alba ist wieder da, und Mutapcic konnte sich bei der Pressekonferenz eine bissige Bemerkung nicht verkneifen: "Viele haben gesagt, wenn Alba verliert, ist es gut für die Bundesliga. Ich hoffe, wenn Alba gewinnt, ist es auch gut."

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