Sport : Wie weggespült

Dortmund ist alles andere als Herthas Lieblingsgegner

Stefan Hermanns

Von Stefan Hermanns

Berlin. Die Idee, die eigenen Zweifel mit kollektiver Kriegsbemalung zu übertünchen, haben die Fußballer von Hertha BSC nie ernsthaft in Erwägung gezogen. Dabei wäre die Gelegenheit günstig gewesen. Am Mittwoch versammelten sich die Profis von Hertha BSC zum gemeinsamen Friseurbesuch, und danach trugen die Fußballer des Berliner Bundesligisten zu Ehren ihres Hauptsponsors ein aggressives Einheitsrot in den Haaren. Man stelle sich vor, am Samstag zum Spiel gegen Borussia Dortmund liefen elf Herthaner auf den Platz, alle mit rot gefärbten Haaren. Vielleicht könnten sie den Gegner damit sogar ein wenig einschüchtern. Daraus wird nichts. Noch am selben Tag ließen sich Herthas Profis die rote Farbe wieder aus den Haaren waschen.

Man könnte das als durchaus symbolisch werten. Fast immer, wenn Hertha seit dem Aufstieg 1997 auf Borussia Dortmund traf, war das Selbstbewusstsein der Berliner wie weggespült. Herthas Bilanz ist bescheiden: Von elf Spielen haben die Berliner lediglich zwei gewonnen, dem stehen sieben, teils heftige Niederlagen gegenüber. Es könnte für Hertha also angenehmere Gegner geben, um noch eine Aufholjagd zu beginnen. „Ich seh’ es immer als Chance“, sagt Manager Dieter Hoeneß. „Was gibt es Besseres, als gegen den Meister mit einem Sieg zu starten?“

So ähnlich hatte das auch vor einem Jahr geklungen. Damals hieß Herthas Auftaktgegner nach der Winterpause ebenfalls Dortmund, und Hoeneß sprach vor der Reise in den Westen von „großem Optimismus“, wohl auch deshalb, weil Hertha das alte Jahr mit einer Serie von neun Spielen ohne Niederlage beendet hatte. In Dortmund verloren die Berliner dann 1:3, und zwei Spiele später war Trainer Röber seinen Job los.

Wenn Hertha das Saisonziel nicht schon früh abschreiben will, darf Ähnliches heute nicht passieren. Ein wenig bauen die Berliner auf die Wirkung ihres Trainers Huub Stevens, der eine ausgesprochen positive Bilanz gegen Dortmund besitzt. Neun Pflichtspiele ist Stevens gegen die Borussen zuletzt unbesiegt geblieben, und vielleicht gelingt es ihm ja, seinen Spielern ein bisschen Selbstvertrauen zu vermitteln. Verteidiger Marko Rehmer hat jedenfalls angekündigt, dass die Dortmunder schon im Kabinengang spüren würden, „dass hier nicht viel zu holen ist“. Und das ganz ohne rote Haare.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben