Sport : Wieder gut gemacht

Christina Obergföll entschädigt sich für die WM

Friedhard Teuffel

Berlin - Revanche? Ausgleich? Wiedergutmachung? Nach etwas davon muss sich dieses Wochenende angefühlt haben für Christina Obergföll. Am Samstag den DKB-Cup gewonnen mit 25 000 Euro Preisgeld und am Sonntag dann das Istaf gegen harte Konkurrenz. Vor allem hat sie dabei Barbora Spotakova aus der Tschechischen Republik hinter sich gelassen, gegen die sie in Osaka den Wettbewerb um die beste Speerwerferin der Welt verloren hatte. „Eine Revanche gibt es nicht mehr, sie ist die Weltmeisterin und hat beim Saisonhöhepunkt gewonnen“, sagte Obergföll. Dennoch bedeuteten ihr die Erfolge an diesem Wochenende eine Menge: „Es ist eine kleine Entschädigung, mit den beiden Siegen habe ich Osaka ganz weggesteckt, davor saß es doch noch tief.“

Das zeigt, dass vielleicht niemand den WM-Titel so sehr von Christina Obergföll erwartet hatte wie sie selbst. Der Titel schien ihr in die Arme zu laufen, so gut war Obergföll in dieser Saison in Form und hatte beim Europacup in München sogar ihren eigenen Europarekord auf 70,20 Meter verbessert. Doch dann zeigte die 26 Jahre alte Offenburgerin Nerven, erreichte in Osaka nur knapp das Finale und erkämpfte sich dort noch die Silbermedaille. „Inzwischen denke ich, dass ich Silber gewonnen habe und nicht Gold verloren.“ Beim Istaf zeigte Obergföll diesmal gute Nerven und konnte am Ende zulegen, sie übertraf Spotakova um sieben Zentimeter. 64,58 Meter reichten ihr zum Sieg.

Es ging knapp zu, nur neun Zentimeter hinter Obergföll landete Steffi Nerius auf Platz drei, sie war auch schon in Osaka Dritte geworden. „Ich hatte ab dem zweiten Wurf Probleme mit meiner Patellasehne, da ging dann nichts mehr“, sagte die Leverkusenerin. Zufrieden war sie trotzdem. „Der Stadionsprecher hat die Aufmerksamkeit so auf uns Speerwerferinnen gelenkt, dass man sich gut aufgehoben gefühlt hat“, sagte Nerius und wusste, dass es ihnen damit besser ging als allen anderen Wurfdisziplinen. Die Veranstalter des Istaf hatten schließlich nur das Speerwerfen ins Programm aufgenommen. Istaf-Geschäftsführer Gerhard Jantezky hatte darüber hinaus in einem Tagesspiegel-Interview Zweifel daran geäußert, ob Diskuswerfen und Speerwerfen überhaupt noch zeitgemäß seien. „Diese Formulierung fand ich schon sehr unglücklich“, sagte Nerius, „aber jetzt treffen sich ja die Vertreter der Golden League, um das Programm für das nächste Jahr zu besprechen. Da kann Herr Janetzky wieder etwas für die Werfer gutmachen.“ Friedhard Teuffel

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