Sport : Wieder gut gemacht

FC Bayern rehabilitiert sich in Leverkusen und macht aus einem 1:2 noch ein 3:2

Erik Eggers[Leverkusen]

Als der letzte Pfiff erklungen war, ballte Martin Demichelis die Fäuste. Am Mittwoch gegen Hannover 96 war insbesondere der argentinische Innenverteidiger des FC Bayern in die Kritik geraten, weil er das einzige Gegentor eingeleitet hatte. Als nun der 3:2 (1:0)-Auswärtssieg des Deutschen Meisters bei Bayer Leverkusen feststand, der den Abstand zur Tabellenspitze auf drei Punkte verkürzte, war Demichelis mit seiner Genugtuung nicht allein. Seine Mitspieler kamen zu ihm und herzten ihn, hatte sein Kopfballtreffer zum 2:2 doch ein verloren geglaubtes Spiel noch gedreht. „Es freut mich sehr, dass ausgerechnet er dieses Kopfballtor gemacht hat“, sagte Bayerns Linksverteidiger Philipp Lahm nach dem Spiel, das einen kuriosen Verlauf genommen hatte. Bayers defensiver Mittelfeldspieler Carsten Ramelow konnte sich den Zusammenbruch seines Teams in den letzten Minuten nicht erklären. „Das tut richtig weh“, sagte der Bayer-Kapitän.

Öde hatte die Partie begonnen, sie langweilte die 22 500 Zuschauer in der ausverkauften Bay-Arena. Weder Bayer noch die Bayern kamen zu Chancen, obwohl beide Verteidigungsreihen in dieser Saison nicht zu den sichersten der Liga gehören. Erst als Marko Babic nach schönem Doppelpass mit Bernd Schneider die erste Chance erhielt und mit seinem schwächeren rechten Fuß das Tor aus 16 Metern nur knapp verfehlte, erwachten die Bayern. Im Gegenzug flankte Mark van Bommel ungehindert aufs Tor, der starke Stürmer Roy Makaay legte klug auf Hasan Salihamidzic zurück, und der traf mit einem trockenen Rechtsschuss aus 18 Metern ins linke Eck.

Rund vier Minuten danach ermöglichte Leverkusens Jörg Butt dem Gast die zweite große Chance, als er einen Eckball Schweinsteigers nicht kontrollierte. Aber Daniel van Buytens Kopfball aus fünf Metern strich knapp am rechten Pfosten vorbei. Leverkusens Offensive enttäuschte. „Wir hatten zuviel Respekt und haben nicht gradlinig genug gespielt“, sagte Bayers Coach Michael Skibbe.

Er zog Stürmer Sergej Barbarez nach 45 Minuten ins defensive Mittelfeld zurück und brachte Stefan Kießling. Eine Maßnahme, die sich auszahlen sollte. Als Willy Sagnol und van Bommel den Schweizer Tranquillo Barnetta ungehindert durch die Mitte liefen ließen, zog der einfach aus 20 Metern ab. Kahn ließ den Flatterball ins Feld zurückprallen, vor die Füße Stefan Kießlings. Dieser schoss zum 1:1 ein.

Nun entwickelte sich endlich ein „hervorragendes Fußballspiel“ (Skibbe). Beide Teams kamen zu Möglichkeiten. Dabei überraschte Bayer den Meister mit einem Konter: Barbarez zog nach vorn, passte auf Andrej Woronin, und seine Weitergabe verwandelte der für den verletzten Schneider eingewechselte Athirson aus zehn Metern zum 2:1 für Leverkusen. „In einer solchen Situation muss man ruhig spielen, wir hätten nachlegen müssen“, sagte Michael Skibbe. Das Gegenteil traf ein.

Der Gegentreffer weckte die Wut der Bayern, und die Defensive des Gastgebers brach zusammen. Als Sagnol eine scharfe Flanke in den Strafraum schlug, köpfte Demichelis diese aus spitzem Winkel mit Wucht in die Maschen zum 2:2. Und als Bayer nach einer Ecke den Ball nicht klären konnte, eroberte sich Claudio Pizarro den Ball und traf mit einem satten Schuss aus zehn Metern zum Endresultat. „Ich bin glücklich und erleichtert“, sagte hernach Bayern-Trainer Felix Magath. Demichelis auch.

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