Sport : Wieder heiß auf kaltes Wasser

Nachdem Ulrike Schümann im Yngling Olympia 2004 verpasst hat, setzt sie für 2008 auf eine neue Crew

Hartmut Moheit

Berlin - Was vor zehn Monaten passierte, wird Ulrike Schümann „wohl nie vergessen“. Vor dem Fernseher verfolgte sie, wie die Olympischen Spiele in Athen eröffnet wurden. „Die Eröffnungsveranstaltung von zu Hause aus zu erleben, war für mich das Schlimmste“, erinnert sie sich. Und als dann auch noch ihr alter Trainer Jörg Pfeiffer anrief, „heulte ich wie ein Schlosshund“. In diesen Minuten war ihr noch einmal so richtig bewusst geworden, was sie verpassen sollte.

Drei Jahre lang hatte die Schümann- Crew in der Yngling-Klasse sicher auf Olympiakurs gesegelt, war zweimal Vize-Weltmeister, einmal Zweiter bei der Europameisterschaft und der hochkarätig besetzten Kieler Woche geworden, aber vor Athen segelte dann für Deutschland das bayerische Team um Steuerfrau Kristin Wagner. Dass die amerikanische Trainingsrivalin Betsy Elison das Olympiaticket ebenfalls verpasste, war für Ulrike Schümann kein Trost. Vor allem als Team, das unter Druck seine Höchstleistungen nicht abrufen konnte, war damals die Berliner Crew gescheitert. Bei der Frühjahrsregatta vor Medemblik 2004, wo Ulrike Schümann dem Trio aus Bayern um Kristin Wagner zur Olympiafahrkarte gratulierte, war „die bitterste Niederlage“ zugleich Ausgangspunkt für den großen Krach. „Nicht jede von uns ging zu Wagner“, erinnert sich Ulrike Schümann. Sie und ihr langjähriges Crew-Mitglied Wibke Bülle würdigen sich deshalb heute keines Blickes mehr, mit Winnie Lippert „geht es noch ganz gut“. Mehr will sie nicht erzählen. Schluss ist Schluss!

Dem Bruch im Team folgte der schnelle Neuanfang, denn „das konnte es einfach nicht gewesen sein“. Ulrike Schümann, die sich selbst als „nicht ganz einfach zu nehmen“ beurteilt, ging die Olympia-Eröffnungsfeier nicht mehr aus dem Kopf. „2008 in Peking möchte ich das live als Aktive erleben“, sagte sie im vergangenen Herbst zu Jörg Pfeiffer, der sich als Rentner bereit erklärte, sie als Trainer auf dem Weg dahin zu begleiten.

„Mir fällt ja zu Hause sonst die Decke auf den Kopf“, sagt der 63-jährige ehemalige DDR-Nationaltrainer. Worauf er sich einlassen würde, wusste er ja. „Ulrike ist manchmal auch überehrgeizig, da muss sie gebremst werden, aber seglerisch ist sie sehr gut“, sagt er. „Sie hat das Gefühl fürs Segeln im Hintern“, ergänzt er etwas drastisch. Ein Trainer wie er, der seit 1972 im Geschäft ist und nicht nur das Team um den deutschen Ausnahmesegler Jochen Schümann zu Erfolgen führte, kann sich ein solches Urteil erlauben.

Als Ulrike Schümann „im Herbst 2004 wieder so richtig heiß auf Segeln“, war, startete sie vor Warnemünde ihre neue Olympia-Kampagne für 2008. „Es war arschkalt, aber ich wollte für mich und meine neuen Teammitglieder sofort eine extreme Herausforderung, wollte unbedingt wissen, wie sich jede verhält. Da saß auch noch Alexandra Goltz auf dem Boot. 2005 war sie nicht mehr dabei.

Mit Ute Höpfner (25 Jahre/Berliner Yachtclub) und Ruma Kappel (19/Club Seddin) hat die neue Gemeinschaft nunmehr ihr Training längst wieder aufgenommen. Im neuen Leistungszentrum in Warnemünde „schindet uns Pfeiffer den ganzen Tag lang“, beschreibt Ulrike Schümann den Stil des alten Trainers, der „100 Prozent Einsatz verlangt und von dem ich keine Sonderbehandlung zu erwarten habe“. Die neu formierte Mannschaft muss auch hart an sich arbeiten, denn um gleich wieder ganz vorn mitsegeln zu können, braucht es einige Zeit.

Dennoch ist Ulrike Schümann mit dem Erreichten nicht unzufrieden. Im Januar kam das Trio mit dem alten Yngling „Hajo“ in Miami auf Rang sechs, und bei den Regatten vor Palma (10. Platz), Hyeres (12), auf dem Gardasee (5) und vor Medemblik in Holland (5) klappte es mit dem Verständnis von Regatta zu Regatta besser. „Die Höhepunkte sind für uns in dieser Saison die Kieler Woche in diesem Monat und dann die Weltmeisterschaft im Juli auf dem Mondsee in Österreich.“

„Es ist total erfrischend“, beschreibt Ulrike Schümann das Training. Nur abends geht sie ihrer eigenen Wege, denn da wird der Altersunterschied deutlich. „Was interessiert mich ein kleiner Lasersegler, mit dem sich die beiden vielleicht über das Abi unterhalten?“, sagt sie. Aus dem Alter ist die 32-Jährige nun wirklich heraus. Und Tränen haben ja nichts mit dem Alter zu tun.

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