Sport : Wieder im Sand wühlen

Der Österreicher Thomas Muster tritt mit 42 Jahren heute beim Challenger-Turnier in Braunschweig an

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Schluss mit dem Quatsch. Muster will wieder ernsthaft Tennis spielen. Foto: ddp
Schluss mit dem Quatsch. Muster will wieder ernsthaft Tennis spielen. Foto: ddpFoto: ddp

Berlin - Irgendwie sind es die Wochen der ungewöhnlichen Zahlen im Tennis. Erst bereiteten John Isner und Nicolas Mahut den Turnierverantwortlichen in Wimbledon Kopfzerbrechen, weil sie ihr Erstrundenmatch einfach nicht beenden konnten (noch einmal: Isner siegte 70:68 im fünften Satz!). Und nun kehrt ein längst in Rente gegangener Profi auf die Tour zurück, mit unglaublichen 42-Jahren. Thomas Muster, ehemaliger Weltranglistenerster und French-Open-Sieger startet heute mit einer Wildcard beim Challenger-Turnier in Braunschweig. Und nicht nur das: Der Österreicher kündigte an, wieder regelmäßig spielen zu wollen. Wo und wie, das hängt wohl auch von seinem Auftritt beim zweitklassigen Turnier in Niedersachsen ab.

„Ich lebe für Tennis“, hat Thomas Muster einmal gesagt. Offenbar wurde ihm nun, elf Jahre nach seinem letzten Match auf der Tour, das er 1999 bei den French Open bestritt, das Leben ohne den Profisport zu langweilig. „Ich habe damals ja nicht meine Karriere beendet, sondern nur gesagt, dass ich in den Urlaub gehe. Jetzt bin ich halt aus dem Urlaub zurück“, sagt Thomas Muster.

Meint er das ernst? Unmöglich ist das nicht. Thomas Muster war schon immer ein Spaßvogel, der nie um eine Showeinlage auf dem Platz verlegen war. So unterhält er seit 2003 auch auf der Seniorentour das Publikum. Der ehemalige Chef des österreichischen Davis-Cup-Teams war schon immer ein Querkopf mit originellen Ideen. Unvergessen sind die Bilder, wie er nach einer schweren Knieverletzung in einer selbstgebauten Konstruktion auf dem Platz saß und mit hochgelegtem Bein auf die Bälle eindrosch. „Einige werden jetzt sagen: Der ist ja verrückt“, sagt Muster. „Aber damit kann ich gut leben – denn damit lebe ich ja seit meinem 15. Lebensjahr.“

Man kann nur hoffen für Thomas Muster, dass er mehr mit Spaß als mit Ernst an die Sache herangeht und ihn nicht etwa Geldsorgen zu diesem Schritt bewegen. Nach seinem Karriereende hatte Muster derart schnell Gewicht zugelegt, dass die Ärzte ihn vor den Konsequenzen warnten. Er rauchte ohne Hemmungen und wanderte kurzzeitig nach Australien aus. Seit der Österreicher allerdings auf der Seniorentour aktiv ist, trainiert er wieder regelmäßig, in der Vorbereitung auf Braunschweig sechs Tage pro Woche.

Trotzdem erscheint gerade für einen Sandplatzwühler wie Muster, der früher als einer der fittesten Spieler galt, ein Comeback in diesem Alter nicht sehr erfolgversprechend. „Ich möchte einfach mal wieder richtige Turnieratmosphäre schnuppern und schauen, wo ich stehe“, sagt er. „Ich werde mein bestes Tennis zeigen und dann mal sehen, wo die Reise hingeht.“ Nachdem Muster den ein Jahr jüngeren Turnierdirektor und ehemaligen Wimbledonsieger Michael Stich in einem Showmatch 7:6 (8:6), 6:4 besiegte, greift er heute gegen den Iren Conor Niland, Nummer 165 der Welt, ins Turnier ein.

Wenn es gut läuft, will der Linkshänder noch mehr Challenger-Turniere spielen, oder in der deutschen Bundesliga antreten. Vielleicht ist alles auch nur ein großer Werbegag für seine Bekleidungsfirma, die inzwischen auch Wein und Alpenwasser ausliefert. Vielleicht sind es aber auch einfach die Wochen, in denen ungewöhnliche Dinge im Tennis geschehen.

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