Sport : Wieder nicht getroffen

Hertha BSC stellt mit dem 0:0 gegen Freiburg einen Vereinsrekord auf: Drei Spiele, kein Tor

Klaus Rocca

Berlin. Es war für Niko Kovac ein schwerer Gang. Hin zum Fanblock, aus dem kurz zuvor noch im Chor „Wir hab’n die Schnauze voll!“ ertönte. Kovac, dem seine Mannschaftskameraden eher halbherzig folgten, stand wacker durch. Der Mittelfeldspieler ging bis zur Umgrenzung, zog sein Trikot aus und warf es in die Menge. Es war eine versöhnliche Geste gegenüber jenen, die wohl die Enttäuschtesten im Olympiastadion waren. Enttäuscht von einem Spiel, das erneut auch nicht annähernd die hohen Erwartungen erfüllt hatte. Ein torloses Unentschieden in einem Heimspiel gegen einen Aufsteiger, wieder vergebliches Warten auf das erste Saisontor und nur zwei von neun möglichen Punkten – Hertha BSC hat auch im Duell mit dem SC Freiburg nicht aus dem Tief herausgefunden. „Ich kann aber keinem Spieler den Vorwurf machen, nicht gekämpft zu haben“, sagte Huub Stevens. Gewiss, nur Kämpfen ist das Minimum, das man von einem hoch bezahlten Fußballprofi erwarten muss.

270 Bundesliga-Minuten ist Hertha nun ohne Tor, Vereinsrekord. 1978/79 war Hertha nach zwei Spielen auch noch erfolglos, im dritten gegen Nürnberg (1:2) unterlief Uwe Kliemann auch noch ein Eigentor, doch Holger Brück brach dann in der 87. Minute den Bann. Gestern hatte Hertha so viele Torchancen, „dass man damit normalerweise zwei Spiele gewinnt“, wie es Manager Dieter Hoeneß formulierte. Doch ob es nun Unfähigkeit, die immer mehr um sich greifende Verunsicherung oder einfach Pech war – der Ball wollte nicht rein. „Wenn man diese vielen Chancen nicht nutzt, dann hat man es auch nicht verdient zu gewinnen“, bilanzierte Huub Stevens.

Er, als Trainer das schwächste Glied bei ausbleibenden Erfolgen, musste einiges über sich ergehen lassen. „Stevens raus!“, riefen erboste Zuschauer unter den nur 32 000 im Stadion. Besonders geballt in der 64. Minute. Da hatte es Stevens gewagt, den bei den Fans besonders beliebten Andreas Neuendorf aus dem Spiel zu nehmen. „Er hatte schon in der Pause über Rückenbeschwerden geklagt“, rechtfertigte Stevens den Schritt. Fügte dann aber hinzu: „Ich war mit ihm auch nicht zufrieden.“

Konnte er überhaupt mit einem Spieler zufrieden sein? Am ehesten noch mit der Abwehr, die sich gegen die schnellen und technisch guten Freiburger Angreifer achtbar aus der Affäre zog. Doch jene aus der Offensivabteilung, was muteten die den Fans zu! Ob nun Neuendorf oder Rafael Nando, ob Bartosz Karwan, Bart Goor oder Thorben Marx – sie alle versagten kläglich, schossen hoch übers Tor oder scheiterten an Torhüter Richard Golz, den gebürtigen Berliner.

Und Fredi Bobic, der doch geholt wurde, um die Tore zu schießen? In der 88. Minute hätte er seinen großen Auftritt haben können, doch er brachte das Kunststück fertig, den Ball aus Nahdistanz nicht über die Linie des leeren Tores zu bugsieren. Tröstend strich Golz danach dem Nationalspieler über den Kopf. „Ich weiß doch, wie man sich nach so einer vergebenen Chance fühlt“, sagte er später. Wäre im Gegenzug dem zuvor eingewechselten Niederländer Ellery Cairo, allein vor dem guten Gabor Kiraly stehend, bei der einzigen Großchance der Gäste das Freiburger Tor geglückt, wäre der Frust im Hertha-Lager noch weit größer gewesen.

Doch niedergeschlagen waren sie auch so. „So ein Tag ist schon deprimierend“, gestand Bart Goor. Der Belgier schoss einmal den Ball hoch übers Gehäuse fast aufs Marathontor, Josip Simunic schlug eine Flanke unbedrängt weit hinters Tor und säbelte einmal dilettantisch über den Ball – alles symptomatisch dafür, dass dem psychischen Druck nicht standgehalten wird. „Dennoch – ich habe Vertrauen in die Mannschaft“, beteuert Hoeneß. „Wir haben uns schon aus anderen Situationen befreit.“ Sie könnte noch vertrackter werden, liefe es auch am Sonnabend nicht nach Wunsch. Da ist Eintracht Frankfurt der Gegner. Der Tabellenletzte.

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