Sport : Wieder oben

Deutsches Eishockeyteam steigt auf

Claus Vetter[Amiens]

Der große Mann wirkte plötzlich ein wenig unsicher. Uwe Krupp winkte schnell noch den deutschen Fans zu. Dann verschwand er im Kabinengang – verfolgt von Franz Reindl. Der Sportdirektor des Deutschen Eishockey-Bundes (DEB) wusste: So einfach wollten sie den Bundestrainer nicht ziehen lassen, die über 1000 deutschen Fans im Coliseum von Amiens. 5:0 hatten die Deutschen die Franzosen zum Abschluss der B-Weltmeisterschaft geschlagen, die Qualifikation für die A-WM 2007 in Russland nach erstklassigen Leistungen in der zweiten Klasse geschafft. Fünf Siege in fünf Spielen, ein Torverhältnis von 34:4, kein Gegentor in Unterzahl – das ist eine Bilanz, die für sich spricht und wegen der Bundestrainer Krupp schließlich von Reindl aufs Eis geschickt wurde und die Welle für die Fans initiieren musste – etwas verkrampft wirkend. „Ich bin mit den Ritualen eben nicht so vertraut“, gestand Krupp später.

Seine Spieler feierten dafür am Sonntagabend in der überfüllten Arena von Amiens so ausgelassen, wie ein deutsches Team seit Jahren nicht mehr gefeiert hat. Doch als die Spieler noch Ehrenrunden auf dem Eis drehten, die deutschen Fans „Merci Amiens“ riefen und dafür Applaus vom französischen Publikum bekamen, war Krupp schon im Keller der Arena mit der Analyse der Woche in Frankreich beschäftigt. Das liegt dem Trainer eben mehr als Feiern. „Ich bin stolz auf meine Mannschaft, sie ist im ganzen Turnier immer konzentriert geblieben, hat sich an unseren Plan gehalten“, sagte Krupp.

Die Konzentration auf das eigene System, elementarer Teil im Konzept von Krupp, ist auch ein Grund dafür, dass die deutschen Ergebnisse beim Turnier in Amiens so klar ausfielen. Die Mannschaft hatte nichts mehr mit der gemein, die bei der A-WM 2005 in Innsbruck abstieg – mit einem überforderten Bundestrainer Greg Poss, auf den kaum ein Spieler hörte. Das ist bei Uwe Krupp anders. Den Respekt der Spieler hat er, schließlich war der Kölner jahrelang Profi in der besten Liga der Welt, der nordamerikanischen Profiliga NHL. „Wenn er etwas sagt“, erzählt der Hannoveraner Verteidiger Sascha Goc, „traut sich keiner wegzuhören.“

Der Erfolg in Amiens kam nicht von ungefähr, Uwe Krupp hat ihn vorbereitet, nachdem er im Dezember das Bundestraineramt übernahm. Bei den Olympischen Spielen in Turin war Krupp aufgefallen, dass sein Team läuferisch Defizite hatte: „Nur mit Geschwindigkeit kannst du im modernen Eishockey Druck ausüben, im Spiel bleiben, wenn es mal nicht so läuft.“

In Amiens war eines der schnellsten und jüngsten deutschen Teams aller Zeiten unterwegs. Krupp hatte gestandene Nationalspieler aussortiert – weil sie seiner Meinung nach zu ineffektiv waren. Und er wird weiter auf die Zukunft setzen, sogar setzen müssen: Nationalmannschaftskapitän Stefan Ustorf erklärte in Amiens aus familiären Gründen seinen Rücktritt aus dem Nationalteam. Just als der 32 Jahre alte Spieler im Kabinentrakt davon sprach, bekam er übrigens einen Lachkrampf: Christoph Gawlik, Ustorfs Kollege von den Eisbären, hatte auf dem Weg in die Kabine eine Glaswand übersehen – Scheibe und Spieler blieben unversehrt. Ansonsten war Gawlik aufgeweckter: Seine Sturmreihe mit den ebenfalls erst 18 Jahre alten Mitspielern Felix Schütz und Philip Gogulla war in Amiens eine der Überraschungen in einem guten deutschen Team mit dem herausragenden Sascha Goc, der mit sechs Toren und fünf Vorlagen Topscorer des Turniers wurde.

Beim DEB schleuderten sie nach dem geschafften Aufstieg mit Superlativen nur so um sich. „Uwe Krupp hat hervorragende Arbeit geleistet“, sagte Sportdirektor Reindl. „Wir wollen langfristig mit ihm arbeiten.“ Der Vertrag mit Krupp wird – wie bereits gemeldet – verlängert, bis 2010 zur WM in Deutschland. Uwe Krupp scheint der Mann zu sein, der perspektivisch für die Nationalmannschaft etwas aufbauen kann. Das jedenfalls hat sich in Amiens angedeutet, wo der Bundestrainer nur einmal unsicher wirkte – als ihn die Fans aufforderten, zum Feiern in die Stadionkurve zu kommen.

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