Sport : Wieder Silber und Enttäuschungen Auch Weßels WM-Zweiter, aber

schwache Säbelfechterinnen

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Lissabon (dpa). André Weßels hat mit dem sensationellen Gewinn der Silbermedaille im Florett-Einzel den ansonsten enttäuschenden Auftritt der deutschen Fechter am zweiten Tag der Weltmeisterschaften in Lissabon überstrahlt. Der 20-jährige Tauberbischofsheimer musste sich erst im Finale vor etwa 1000 Zuschauern im Pavilhao Atlantico dem Italiener Simone Vanni mit 6:15 geschlagen geben. Der Weltranglistenneunte hatte zwei Runden zuvor bereits die Medaillenträume von Ralf Bißdorf zerstört. Der Heidenheimer Olympiazweite von Sydney wartet damit weiterhin auf sein erstes Edelmetall bei einer WM.

Weßels überzeugte trotz seiner Final-Niederlage und bescherte dem Deutschen Fechter-Bund (DFeB) die zweite Silbermedaille nach Imke Duplitzer aus Heidenheim mit dem Degen. Keiner der vier Vorschlussrunden-Gegner von Weßels landete mehr als zehn Treffer gegen den deutschen Junior-Sportler des Jahres 2001. Im Halbfinale deklassierte der in Recklinghausen geborene Weltranglistendritte den Chinesen Hanxiong Wu mit 15:8.

Ratlosigkeit und Leere herrschte dagegen beim 31-jährigen Bißdorf nach dem 14:15 gegen den Titelträger Vanni. „Das Schlimmste ist, dass ich gar nicht enttäuscht bin“, sagte Bißdorf, der den Gesamt-Weltcup zuletzt dreimal in Folge gewonnen hatte. „Ich bin ja noch gut bedient, wenn man bedenkt, dass ich in drei Gefechten miserabel war. Ich muss jetzt sehen, dass ich mich irgendwie so hinbekomme, dass ich dem Team am Donnerstag im Mannschafts-Wettbewerb helfen kann.“ Er sei ein Mensch, der extremen Druck brauche. Vielleicht sei er diesmal zu gering gewesen. Im vergangenen Jahr musste sich Bißdorf im deutschen Achtelfinal-Duell von Nîmes dem Berliner Christian Schlechtweg beugen.

Enttäuscht haben auch die deutschen Säbel-Damen. Hier holte sich die 18-jährige Chinesin Xue Tan den Titel. Bereits im Achtelfinale verabschiedete sich dagegen mit Susanne König (Tauberbischofsheim) die letzte Deutsche aus dem Einzel-Wettbewerb. Dessen Aufnahme in das olympische Programm hatte der Weltverband FIE nach fast zweijähriger Diskussion zwei Tage zuvor beschlossen. Die Säbelfechterinnen konnten die von Disziplin-Bundestrainer Martin Mündt bereits vor der WM geäußerte Einschätzung, die Deutschen seien derzeit von der Weltspitze weit entfernt, nicht widerlegen. Nur die 28-jährige Susanne König überstand die erste Finalrunde, bezwang dann die italienische Weltranglistenneunte Ilaria Bianc. Anschließend schied sie aber gegen die Britin Louise Bond-Williams (8:15) aus. Für die EM-Zweite von Koblenz vor einem Jahr, Sandra Benad (Eislingen), war ebenso wie für Sybille Klemm (Göppingen) und Sabine Thieltges (Koblenz) bereits in der 64er-Runde Schluss. „Mit dem Druck, nun höchstwahrscheinlich auch olympisch zu sein, konnte ich nicht umgehen. Ich bin völlig ratlos“, sagte Benad.

Keine Räucherstäbchen angezündet

Freude herrschte dagegen auch gestern noch bei Imke Duplitzer über die Silbermedaille mit dem Degen. Die 27-Jährige baut seit Jahresbeginn auf die Unterstützung durch die Mentaltrainerin Inge Sonnenschein. „Frau Sonnenschein hat ein mentales Programm erarbeitet, das ausschlaggebend für den Erfolg war. Wir haben weder Räucherstäbchen angezündet noch mit Knochen um uns geworfen. Wir sind in die Tiefen des Bewusstseins gegangen, um die Bewegungsabläufe schon vor dem Gefecht automatisch visualisieren zu können“, sagte Duplitzer. Dass sie trotzdem das WM-Finale gegen die völlig unbekannte und in der Weltrangliste nicht aufgeführte Koreanerin Hee Hyun deutlich 11:15 verlor, führte die Europameisterin von Bozen allein auf die hohe Belastung in der Runde der letzten 32 und dann auch im Achtelfinale zurück.

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