Sport : Wieder unten

Der deutsche Basketballer Edwin Ofori-Attah kämpft gegen sein schlechtes Image

Martin Fünkele

Berlin - Edwin Ofori-Attah schlendert mit hängenden Schultern durch den Friedrich-Ludwig-Jahn-Sportpark in Prenzlauer Berg. Eigentlich befindet sich der 20 Jahre alte Basketballer dem bulligen Oberkörper hier im Zentrum seiner Sportart. Während in der Geschäftsstelle des Basketball-Bundesligisten Alba Berlin am Kader der neuen Saison gebastelt wird, erklärt in der Max-Schmeling-Halle der ehemalige NBA-Allstar Detlef Schrempf bei einem Nachwuchs-Camp, was es heißt, in der besten Liga der Welt zu spielen. Mit beidem hat Edwin Ofori-Attah nichts mehr zu tun. Er biegt links ab, zur U-Bahnstation Eberswalder Straße. Statt am Ziel zu sein, ist er nur auf dem Weg nach Wilmersdorf.

Vor etwas mehr als einem Jahr sah das noch anders aus. Edwin Ofori-Attahs Zukunft schien nur eine Frage der Richtung zu sein: Zurück zu Alba oder direkt in Richtung NBA. Im Frühjahr 2004 moderierte Anne Will in den Tagesthemen einen Beitrag über jenen Ofori-Attah an, der in einem Spiel für die Statesville Christian Highschool 71 Punkte erzielte. Das hat in North Carolina/USA vor ihm noch kein anderer geschafft – nicht einmal der berühmteste Sohn des Bundesstaates, Michael Jordan. Der Beitrag war in der deutschen Basketballszene eine Überraschung, denn die öffentlich-rechtlichen Nachrichten hatten sich bisher nur für Dirk Nowitzki interessiert.

Seit April 2005 ist der junge Mann wieder in Berlin. Der amerikanische Traum ist für ihn nach einer verkorksten Saison am College von William und Mary in Virginia geplatzt. „Edwin hätte als großer Star aus Amerika zurückkommen können, jetzt muss er sich von unten wieder hocharbeiten“, sagt Sven Meyer, der mit seiner Spielervermittlungs-Agentur versucht, einen Verein für ihn zu finden. Dass sein Klient das College vorzeitig abgebrochen hat, erschwert die Suche. Doch die Delle ist nicht die einzige unrunde Stelle in Ofori-Attahs Karriere. Seit er bei der Europameisterschaft der Unter-18-Jährigen vor drei Jahren Topscorer seines Teams wurde, spielte er nicht mehr für den Deutschen Basketball- Bund. Es mangele ihm an Teamfähigkeit, er sei ein undisziplinierter Streetballer, lauteten die Vorwürfe. „So ein Spieler wird immer Schwierigkeiten haben“, sagt Meyer, „Doch er hat eben Talent ohne Ende.“

Während Ofori-Attah im Cafe „Meta“ in der Gaudy-Straße nach Argumenten sucht, die seinen College-Abbruch erklären, will er Fragen zu seinen tätowierten Unterarmen nicht zulassen. „Ich brauche im Moment keine Street-Kids-Story, ich will erst einmal einen Klub finden.“ Beim Deutschen Meister Bamberg hat er vorgespielt. Er weiß um seinen zweifelhaften Ruf, „aber ich weiß nicht, warum das so ist.“ U-20-Nationaltrainer Chris Flemming hat ihn vor kurzem nach wenigen Trainingseinheiten aus seinem Kader gestrichen. Der Grund: Für die EM brauche er keinen, der das Teamgefüge in Gefahr bringt. Gleichzeitig lobt er dessen spielerische Fähigkeiten. „Edwin ist ein guter Junge – und bestimmt kein Troublemaker.“

Angst vor der Zukunft habe er keine, beteuert Ofori-Attah, und verschwindet im Berliner U-Bahn-System. Eines hat er schon gelernt. „Basketball ist nicht gerecht, es ist keine Demokratie.“ Dann ist er weg – das Ziel bleibt ungewiss.

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