Sport : Wiederholungsspiel in Sicht

Makkabi geht vor Gericht gegen Antisemtismus vor

Christian Tretbar

Berlin - Noch ist das Urteil nicht gesprochen, aber Katharina Kortmann hat ihre Tendenz schon klar gemacht. Die Richterin am Landgericht Berlin muss in einem Fall entscheiden, der zu einem Präzedenzfall im deutschen Fußball werden könnte. Denn der TuS Makkabi versucht, nachdem alle sportgerichtlichen Instanzen ausgeschöpft waren, vor einem Zivilgericht den Aufstieg in die Kreisliga A zu erwirken. Einen so harten Eingriff in die Verbandsgerichtsbarkeit lehnte die Richterin zwar ab, aber mindestens eine Wiederholung der letzte drei Saisonspiele von Makkabi könnte sie sich vorstellen. Nächsten Mittwoch will sie ihre Urteil fällen.

Das Verfahren ist der vorläufige Höhepunkt einer Auseinandersetzung zwischen dem TuS Makkabi und dem Berliner Fußball Verband (BFV). Ausgangspunkt ist das Spiel von Makkabi II beim VSG Altglienicke II am 29. September 2006. Damals brach Makkabi das Spiel ab, weil die Spieler des Vereins von den Zuschauern antisemitisch beschimpft worden waren. Das Wiederholungsspiel verlor Makkabi, beanstandete aber vor dem Sportgericht, dass Altglienicke mit Spielern der ersten Mannschaft spielte. Der Verband gab dem Verein in erster Instanz Recht und schrieb Makkabi die Punkte gut. Makkabi sicherte sich in den folgenden Spielen den Aufstieg. Allerdings wurde der Verein nicht darüber informiert, dass Altglienicke in zweiter Instanz Berufung einlegte und Recht bekam. Erst nach Saisonende erfuhr Makkabi, dass dem Verein Punkte wieder abgezogen worden sind. Damit verpasste der Klub den Aufstieg. Der Verein argumentiert nun vor Gericht, dass er in Kenntnis der Berufung mit Spielern der ersten Mannschaft gespielt und in den letzten drei Spielen vielleicht mehr Punkte geholt hätte.

BFV-Präsident Bernd Schultz hält Wiederholungsspiele für „weltfremd“. „Wie soll man so etwas durchführen“, fragte Schultz. Roger Nussbaum, Präsidiumsmitglied von Makkabi Deutschland, hätte sich gewünscht, dass der Verband auf den auch vom Gericht unterstützten Vergleichvorschlag Makkabis, die Aufstockung der Kreisliga A Staffel drei, eingegangen wäre. Der Verband lehnte aber ab. „Das hätte ich mir als Zeichen gewünscht. Stattdessen wird jetzt ein Urteil abgewartet und Makkabi danach vermutlich gönnerisch ein Angebot gemacht.“ Bis zu einem Urteil wird in der Kreisliga A Staffel drei nicht gespielt. Christian Tretbar

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