Sport : Wiedersehen macht Freunde

Die brisantesten Duelle beim EM-Turnier in den Alpen

Mathias Klappenbach

Schweiz – Türkei

Was macht eigentlich Özalan Alpay? Das Übliche, könnte man sagen. Er ist bei seinem Verein 1. FC Köln suspendiert und sucht einen neuen Klub. Eingesetzt wurde der für seine gewalttätigen Ausraster gegen Mitspieler und Gegner bekannte 34-Jährige ohnehin schon lange nicht mehr. Höhepunkt vieler Ausraster war das entscheidende Relegationsspiel für die WM 2006 gegen die Schweiz im November 2005. Schon am Flughafen in Istanbul waren die Schweizer mit Steinen und Eiern beworfen worden. Das 4:2 reichte den Türken nach dem 0:2 im Hinspiel nicht, im hasserfüllten Stadion kam es zu Jagdszenen und Schlägereien unter den Spielern und mit Sicherheitskräften. Ihre Qualifikationsspiele zur EM mussten die Türken zur Strafe im Ausland austragen, und zu den für lange Zeit gesperrten Spielern zählte auch Alpay. Es wird spannend, wie sich die Stimmung vor dem Gruppenspiel am 11. Juni in Basel aufbauen wird. Alpay hat die ihm angebotene psychologische Hilfe jedenfalls stets abgelehnt. Aber er spielt jetzt nicht mehr für die türkische Nationalmannschaft.

Frankreich – Italien

Schwierige Zeiten durchgestanden zu haben, schweißt zusammen. Frankreich und Italien könnten sich eigentlich wie Brüder fühlen, seit sie die Qualifikation für die EM geschafft haben, denn beinahe hätten die Schotten es geschafft, einem von ihnen den Platz wegzunehmen. Doch das Trennende überwiegt, das WM-Finale 2006 mit Zinedine Zidanes Kopfstoß gegen den provozierenden Marco Materazzi ist längst noch nicht vergessen. Es wäre den Franzosen sicher recht gewesen, Schottland in der Gruppe zu haben anstatt schon wieder Italien. Umgekehrt gilt natürlich dasselbe. Übrigens: Zu einer WM-Revanche wird es im EM-Finale keinesfalls kommen. Nicht mal, wenn sich beide in der stärksten Gruppe mit den Niederlanden und Rumänien durchsetzen. Laut Spielplan sähe man sich bereits im Halbfinale wieder.

Österreich – Deutschland

Es wird viel von Cordoba 2 geredet in Österreich seit der Auslosung der EM-Gruppen. Der Traum, den großen Nachbarn wie mit dem 3:2 bei der Weltmeisterschaft 1978 erneut aus dem Turnier zu werfen, steigert die Vorfreude auf die EM erheblich. 30 n.C. bedeutet bei den Fans 30 nach Cordoba. Dass das Spiel auch 22 n.W., also 22 Jahre nach dem 4:1 gegen die Deutschen in Wien stattfindet, interessiert niemanden. Der bislang letzte Sieg gegen die Deutschen gelang in einem Freundschaftsspiel, und die Schmach von Wien ist in Deutschland kein Begriff. In Österreich heißt das Spiel von 1978 das „Wunder von Cordoba“, und der Reiz der möglichen Wiederholung wird größer, weil beide Länder in Wien im letzten Gruppenspiel aufeinandertreffen. Österreich kann das Wunder vorab üben: Am 6. Februar, beim Testspiel in Wien.

Griechenland – Russland

Dimitri Kiritschenko hätte alles verhindern können. Drei Minuten waren noch zu spielen, als der Russe in eine Flanke grätschte und das Tor um Zentimeter verfehlte. Es wäre das 3:1 gewesen, und Griechenland wäre bei der EM 2004 wegen der schlechteren Tordifferenz gegenüber Spanien ausgeschieden. Der Rest waren drei 1:0-Siege von Griechenland, eine Riesenüberraschung und ein großes Ärgernis für Freunde des Fußballs ohne Libero.

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