Sport : Wiedersehen mit Dortmund ohne Wehmut

Klaus Rocca

Er ist heiß darauf, gegen seinen Lieblingsverein (nach Hertha BSC natürlich) zu spielen. Sollte man zumindest meinen. Doch René Tretschok winkt ab: "Ich habe die Saison bereits abgehakt. Für mich zählt allein, dass ich in der nächsten Serie wieder dabei bin." Ein Wiedersehen am Sonnabend mit den alten Kameraden von Borussia Dortmund, gewiss. Doch nicht auf dem Rasen, höchstens am Spielfeldrand.

Die Wehmut hält sich ohnehin in Grenzen. Da stünden, so Tretschok, doch kaum noch Spieler in der Mannschaft, mit denen er einst gespielt habe. Mit Sammer, Reuter und Kohler, auch mit Chapuisat, habe er noch lange Zeit Kontakt gehabt, zuletzt aber nicht mehr. Und überhaupt: Es sei ja schon so lange her, dass er bei der Borussia gekickt habe. Die Erinnerung bleibt nichtsdestoweniger wach. Weil sie angenehm ist. Mit Dortmund wurde Tretschok 1995 Meister, spielte in der Champions League. Erfolgreicher war er mit keinem anderen Verein. Nicht mit dem 1. FC Köln, schon gar nicht mit Tennis Borussia. Auch nicht mit Hertha BSC, wo er 1998 für eine Ablösesumme von zwei Millionen Mark landete.

Nun also am Sonnabend das Duell Herthas im Olympiastadion mit den Dortmundern. Ein Spiel, bei dem es für Hertha um Millionen geht. Für Dortmund um nichts mehr. Oder doch? Vielleicht sogar um mehr als für Hertha, um den Klassenerhalt nämlich. Das wissen die Dortmunder freilich schon tags zuvor, am Freitag. Da tagt in Frankfurt (Main) der Lizenzierungs-Beschwerdeausschuss des DFB. In dem sitzen vier Mitglieder aus dem Präsidium und drei aus dem Ligaausschuss. Die entscheiden in letzter Instanz darüber, ob Eintracht Frankfurt wegen der Verstöße gegen die Statuten der zwei Punkte verlustig geht oder nicht. Wird das Urteil wider Erwarten revidiert, muss Dortmund noch bangen. "Dann", sagt Tretschok, "wird das Spiel in Berlin eine ganz heiße Kiste."

Sonst wohl weniger. "Obwohl sich die Borussia auch so mächtig ins Zeug legen wird. Schließlich hat sie im Berliner Umland viele Fans", meint Tretschok. Und da wären dann ja auch noch die nicht nur hinter vorgehaltener Hand geäußerten Bedenken. Gar von "möglicher Mauschelei" hatte Kaiserslauterns Aufsichtsrats-Vorsitzender Robert Wieschemann, zum geballten Ärger im Hertha-Lager, gesprochen. Mit dem Hinweis auf den gemeinsamen Vermarkter und Sponsor beider Vereine. "Alles Quatsch", sagt Tretschok.

Übrigens: So ganz ohne Hoffnung ist er doch nicht, am Sonnabend dabei zu sein. "Wenn wir 3:0 führen, könnte ich vielleicht die letzten zehn Minuten noch spielen." Dann würde es nicht so sehr ins Gewicht fallen, dass "ich derzeit nur 80 Prozent meiner wirklichen Leistung bringen kann." Vor kurzem, nach Fersensporn und kompliziertem Sehnenriss unter dem Fuss, sah es noch so aus, als könne Tretschok überhaupt nicht mehr gegen den Ball treten.

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