Wien gegen Salzburg : Wiener gegen Würstchen

Giovanni Trapattonis Red Bull Salzburg verliert im eigenen Stadion mit 0:7 gegen Rapid Wien.

Markus Huber[Salzburg]

Die vielleicht perfideste Schmähung des Gegners leistete sich Peter Pacult eine halbe Stunde nach dem Schlusspfiff. Ziemlich entspannt lehnte der Trainer des SK Rapid Wien in den Katakomben des Salzburger EM-Stadions, er sprach über das gerade abgepfiffene Spitzenspiel der österreichischen Fußball-Bundesliga, und als er gefragt wurde, was seiner Meinung nach die spielentscheidende Szene war, da sagte er: „Ich glaube, der Knackpunkt der Partie war kurz nach der Pause, als wir das 6:0 schossen. Da dachte ich, dass wir dieses Spiel eventuell gewinnen könnten.“ Selbst Journalisten aus Salzburg mussten da ziemlich laut lachen.

In der Tat war das Spiel am Ostersonntag in der Salzburger EM-Arena ein höchst kurioses Match. 7:0 besiegte der Traditionsverein aus Wien am Ende den Titelfavoriten aus Salzburg in dessen eigenem Stadion. Schon nach 16 Minuten führten die Wiener mit vier Toren, nach 30 Minuten stand es bereits 5:0. Vor allem in der ersten Halbzeit spielte die Gästemannschaft Chance um Chance heraus, und angesichts der Verteidigungsleistung Red Bulls war tatsächlich jede Chance auch ein Treffer. Die erste Salzburger Tormöglichkeit setzte Jungstar Marc Janko nach 31 Minuten Zentimeter neben den Pfosten.

Trapattoni: "Das war keine Niederlage, das war eine Katastrophe"

Giovanni Trapattoni, bis auf weiteres Trainer der Salzburger, war nach dem Spiel dementsprechend fassungslos: „Das war keine Niederlage, das war eine Katastrophe. Ich habe in 40 Jahren als Spieler und Trainer noch nie sieben Tore kassiert.“ Er erklärte zwar, dass Red Bull nach wie vor nur einen Punkt hinter Rapid liege und deshalb bei fünf ausstehenden Spieltagen noch gute Chancen hätte, trotzdem Meister zu werden. Tatsächlich wird es für ihn aber ein hartes Stück Arbeit, die Niederlage aus den Köpfen seiner Mannschaft zu holen. Zumal Red Bull das schwerere Restprogramm hat: Gleich drei Mal muss das Team noch auswärts antreten – und gerade auswärts hat sich Red Bull in dieser Saison schon einige Ausrutscher geleistet.

Insgesamt enttäuscht Red Bull in dieser Spielzeit ohnehin. Das Team ist eigentlich dazu verdammt, Meister zu werden: 45 Millionen Euro steckt der Konzern Red Bull jährlich in seine Fußballsparte – das ist mehr als dreimal so viel wie Rapid Wien oder irgendeine andere Mannschaft in Österreich zur Verfügung hat. Vom Potenzial her ist das Team um die früheren Bundesligaprofis Alexander Zickler und Nico Kovac deutlich stärker als die österreichischen Mitbewerber – doch die Mannschaft konnte dieses Potenzial in dieser Saison nie abrufen. Vor allem nach dem historischen Sieg fühlt sich Rapid nun auf dem besten Weg, Meister zu werden. Das kann man wohl auch als gutes Zeichen für den gescholtenen österreichischen Fußball sehen: Bei Red Bull standen am Sonntag neun Legionäre in der Startelf – Rapid ging mit neun jungen Österreichern ins Spiel.

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