Wiggins gibt beim Giro auf : Die Pannenshow

Tour-de-France-Sieger Bradley Wiggins gibt beim Giro d’Italia wegen einer Erkältung auf.

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Ausgeradelt. Für Bradley Wiggins lief beim Giro d’Italia nicht viel zusammen. Tiefpunkt seiner unglücklichen Woche war die verletzungsbedingte Aufgabe. Foto: dpa
Ausgeradelt. Für Bradley Wiggins lief beim Giro d’Italia nicht viel zusammen. Tiefpunkt seiner unglücklichen Woche war die...Foto: dpa

Der Giro d'Italia verliert seinen Topstar. Der amtierende Tour-de-France-Champion und Olympiasieger Bradley Wiggins sollte die Italienrundfahrt idealerweise auf ein neues internationales Level heben. Nun hat der Brite kurz vor dem Beginn der 13. Etappe wegen einer Erkältung aufgegeben. Sein Abgang hinterlässt eine Lücke und sorgt auch für Fragezeichen mit Blick auf die weitere Saison.

„Krank ist krank. Was soll man enttäuscht sein“, kommentierte Teamkollege Christian Knees lakonisch den Abschied. Knees, der selbst seit längerer Zeit eine Erkältung mit sich herumschleppt, wies darauf hin, warum die gleiche Krankheit einem Kapitän härter zusetzen kann als einem Helfer: „Ich weiß, wie schlimm es ist weiterzufahren. Ich bin allerdings jemand, der dann mal einen Tick locker lassen kann. Das kann man als Leader nicht. Bradley ist immer noch hart reingegangen.“

Der Wille bei Wiggins war da, der Körper spielte aber nicht mit. Und auch nicht das Material und zuweilen nicht einmal der Kopf. Deutlichstes Zeichen für das Zusammentreffen all dieser Verstimmungen war das Zeitfahren in Saltara. Als dort die Luft aus einem Reifen wich, warf Wiggins zornig sein Rad weg, den Zeitfahrsieg verpasste er um zehn Sekunden. Nicht einmal in seiner Paradedisziplin lief alles nach Plan.

Es ist Sky-Teamchef David Brailsford hoch anzurechnen, dass er für die Minderleistungen seines Stars nicht die Krankheit bemühte. „Er hatte die Krankheit schon mehrere Tage im Körper, sicher auch schon beim Zeitfahren. Aber das schmälert die Leistung von Alex Dowsett nicht", sagte er. Dowsett, im letzten Jahr noch bei Sky, hatte überraschend das Zeitfahren gewonnen.

Brailsford versucht, seine Gelassenheit durch eine Langzeitperspektive wiederzugewinnen. „Krankheiten, Stürze und Materialprobleme gehören zu diesem Sport. Seit seinem Schlüsselbeinbruch vor zwei Jahren hatte Brad keine einzige ernsthafte Erkrankung. Wir haben keinen einzigen Rückschlag erlitten", sagte er dem Tagesspiegel.

In den Worten des glatzköpfigen Managers schwang Demut mit, weil seinem Team der Himmel auf den Kopf gefallen war. Der Streit um die Führungsrolle bei der Tour de France zwischen Titelverteidiger Wiggins und Kronprinz Chris Froome ließ Risse im Gefüge erkennen. Durch seinen Ausstieg jetzt ist Wiggins von Führungsansprüchen im Sommer weiter entfernt denn je. Seine Saisonplanung, bei der er aufgrund speziellen Bergtrainings für den Giro kleinere Rundfahrten mit leichten Siegmöglichkeiten ausgelassen hatte, erweist sich als Fehlschlag. Abgesehen von zwei Erfolgen bei Mannschaftszeitfahren steht 2013 kein einziger Sieg in seinen Palmarès.

Für Team Sky soll mit dem Kolumbianer Rigoberto Uran nun ausgerechnet ein Helfer die Rundfahrt retten, der im vergangenen Jahr als Anhängsel von Mark Cavendish fast im Alleingang einen siebten Platz bei der Rundfahrt geholt hatte und dessen Vertrag ausläuft. Mit Uran als Leader will Sky sich nun sogar in der ungewohnten Form der Angriffsmannschaft präsentieren. „Wir sind ein starkes Kletterteam. Mit Rigoberto werden wir sicherlich offensiver agieren als bisher“, sagte Brailsford.

Trotz dieser erfreulichen Ankündigung herrschte beim Teambus von Sky überschaubares mediales Interesse, nur zwei kolumbianische Reporter warteten. Die anderen Berichterstatter waren zu Sky-Abgänger Cavendish (vier Etappensiege und Punktetrikot) und dem Gesamtführenden Vincenzo Nibali abgewandert. Der Astana-Kapitän hat derzeit nur eine Sorge: das Wetter. „Ich hoffe, dass es Sonntag am Galibier nicht schneit. Denn unter diesen Bedingungen zu fahren, macht keine Freude“, sagte der Sizilianer. Am Samstag waren die Aussichten diesbezüglich jedenfalls alles andere als gut. Von fünf Zentimetern Schnee auf dem Gebirgspass und Temperaturen um den Gefrierpunkt war die Rede.

Die Konkurrenz löst nach dem Abgang von Wiggins und dem Ausscheiden des Titelverteidigers Ryder Hesjedal jedoch nur nachrangige Sorgen bei Vincenzo Nibali aus. Ebenfalls ausgestiegen, in seinem Falle wegen Erschöpfung, ist Etappensieger John Degenkolb. Wegen des Gebrauchs des verbotenen Anti-Erschöpfungsmittels Heptaminol wurde der Franzose Sylvain Georges nach positiver A-Probe von seinem Team AG2R aus dem Rennen genommen.

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